Flucht in die Groteske
Letzter Halt vor Kairo. Die Karawane des unerbittlichen Sklavenhändlers Husca, unter dessen Beute sich auch der junge Franzose Saint-Phar und seine frisch angetraute Zé-lime befinden, wird von räuberischen Arabern attackiert, die der heldenhafte Europäer, der sich damit freikaufen wird, natürlich besiegt. André-Ernest-Modeste Grétry schreibt hier keinen unzählige Male schon gehörten «bruit de guerre», sondern ein doppelchöriges Chortableau von aggressiven Kriegern und verzweifelten Frauen.
Wie das glänzend eingespielte Regieteam aus Marshall Pynkoski, Jeannette Lajeunesse-Zingg, Antoine Fontaine, Camille Assaf und Hervé Gary, für das es Metiergrenzen nicht gibt, dies in souveräner Choreographie auffächert und – als Sahnehäubchen – den obligatorischen Kriegslärm durch einen Säbeltanz des virtuosen Ballets der Versailler Opéra Royal ersetzt: Das ist schon mitreißend, ja, bravourös. Allerdings kosten Hervé Niquet und sein Concert Spirituel die Kontraste nicht gleichermaßen aus: Überhastet steigen sie in den mit seinem Bordunton und seinem Sechsachteltakt entspannte Ruhe signalisierenden bukolischen Beginn des Werkes ein – und das wird das Grundtempo der Aufführung bleiben und viele ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Medien, Seite 24
von Klaus Heinrich Kohrs
Dieser Mephisto kommt mir nicht ins Haus!», rief Bertel Braunfels, die Gattin des Komponisten, voller Vorahnung aus, als Adolf Hitler 1920 nach einem Besuch der «Vögel» an Walter Braunfels herangetreten war. Der spätere «Führer» wünschte sich eine Hymne für seine frisch gegründete Partei und hielt den Namen «Braunfels» für urdeutsch, doch der Komponist lehnte ab....
Das Bildnis eines jungen Helden, das doch eher eine junge Heldin zeigt, fängt an zu singen. Kurz darauf wandelt die hoch gewachsene brünette Dame, die wir als Wiedergängerin des Ritters Orlando erkennen, leibhaftig über die Bühne des Théâtre du Châtelet. So denn das Zeitalter des Barock, in dem selbst Furien mittels der Magie der Musik besänftigt werden, sich auf...
Multitalent
Sie ist eine Frau, die weiß, was sie kann und was sie will. Und nie käme Dagmar Manzel auf die Idee, sich ihren Mund verbieten zu lassen. Offenheit ist für sie eine Tugend, und jene besonderen Gaben, die nötig sind, um das auf der Bühne zu zeigen, besitzt sie auch. Vor einigen Jahren hat sie sich der Oper zugewandt, zunächst als Sängerin, nun auch als...
