Fluch der Idylle
Ein niedliches Dorf nistet zwischen grünen Hügeln, die Häuschen dicht an die Kirche geschmiegt. In Anthony McDonalds «Werther»-Inszenierung sorgt der durchscheinende Prospekt im Portal vor jedem Aktbeginn für Kontext: ein Ort so wohlgeordnet, so hell und überschaubar, dass heimliche Liebe unmöglich ungesehen bleiben kann. In dieses Bild wird das Haus des Amtmanns «gebaut», indem sich Wand an Wand, fürs Publikum sichtbar aus dem Schnürboden herabgelassen, zu einer reinlich-eleganten Stube fügt. Über dem langen Esstisch hängt ein so ernst wie freundlich dreinblickendes Porträt.
Die Mutter, ohne Zweifel: fortwährende Erinnerung an Charlottes Gelübde, sich mit Albert zu vermählen.
«Noël, Noël», flöten helle Kinderstimmen. Während die Knaben vorm Ofen spielen, helfen die Mädchen artig beim Tischdecken. Die Szene ist so einfach wie brillant – mit einem einzigen Bild setzt der Regisseur den Ton für das von Werther bewunderte «Idealbild der Liebe und Unschuld», illustriert in der kindlichen Rollenverteilung quasi stellvertretend sowohl Charlottes Pflichtsinn als auch Werthers Mangel daran.
In der Folge genügt es McDonald im Grunde, die Geschehnisse sorgsam zu bebildern. Dabei wird der ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Wiebke Roloff Halsey
Sie hatte mehrere Namen, hieß Stella Goldschlag und Stella Kübler-Isaaksohn, am Ende ihres Lebens auch Ingrid Gärtner (Foto). Eine Frau, die in ihren multiplen Identitäten untertauchte, deren Geschichte wohl auch deshalb heute nur wenige kennen. Dabei wirft ihre Biografie Licht auf eine weniger bekannte Facette des Holocaust: Selbst im Nazireich war die tödliche...
alpha
05.05. – 20.15 Uhr
Vineta – Versunkene Stadt
Der «Echo Klassik» in der Kategorie «Ensemble/Orchester des Jahres» ging 2014 an den Chor des Bayerischen Rundfunks für eine CD mit Chormusik von Alfred Schnittke und Arvo Pärt. Teile daraus finden sich auch im Soundtrack zu dem experimentellen Konzertfilm «Vineta – Vokale Visionen».
arte
05.05. – 17.40 Uhr
Andris...
Ganz verschwunden war sie nie, die abgöttische Verehrung großer Sängerinnen und Sänger. Von der Hysterie, die im 18. Jahrhundert Auftritte des Kastraten Carlo Broschi (Farinelli) oder der Primadonna Francesca Cuzzoni begleitete, bis zum Tenorissimo-Taumel um Enrico Caruso oder zur Assoluta-Verklärung der Callas im 20. Jahrhundert reicht diese frenetische...
