Fluch der Idylle

Massenet: Werther
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Ein niedliches Dorf nistet zwischen grünen Hügeln, die Häuschen dicht an die Kirche geschmiegt. In Anthony McDonalds «Wer­ther»-Inszenierung sorgt der durchscheinende Prospekt im Portal vor jedem Aktbeginn für Kontext: ein Ort so wohlgeordnet, so hell und überschaubar, dass heimliche Liebe unmöglich ungesehen bleiben kann. In dieses Bild wird das Haus des Amtmanns «gebaut», indem sich Wand an Wand, fürs Publikum sichtbar aus dem Schnürboden herabgelassen, zu einer reinlich-eleganten Stube fügt. Über dem langen Esstisch hängt ein so ernst wie freundlich dreinblickendes Porträt.

Die Mutter, ohne Zweifel: fortwährende Erinnerung an Charlottes Gelübde, sich mit Albert zu vermählen.

«Noël, Noël», flöten helle Kinderstimmen. Während die Knaben vorm Ofen spielen, helfen die Mädchen artig beim Tischdecken. Die Szene ist so einfach wie brillant – mit einem einzigen Bild setzt der Regisseur den Ton für das von Werther bewunderte «Idealbild der Liebe und Unschuld», illustriert in der kindlichen Rollenverteilung quasi stellvertretend sowohl Charlottes Pflichtsinn als auch Werthers Mangel daran.

In der Folge genügt es McDonald im Grunde, die Geschehnisse sorgsam zu bebildern. Dabei wird der ...

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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Wiebke Roloff Halsey

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