Nur ein Traum?

Stephan Kimmig inszeniert in Stuttgart Hans Werner Henzes Kleist-Oper «Der Prinz von Homburg» als spielerische Versuchsanordnung, Cornelius Meister gestaltet dazu passgenaue Klangbilder

Opernwelt - Logo

«Ins Feld! Ins Feld! / Zur Schlacht! / Zum Sieg! Zum Sieg! / In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!» Der missverständliche und in der Tat ja nicht erst von den Nazis missbrauchte Schluss war schon für Ingeborg Bachmann ein Problem, als sie 1958/59 für Hans Werner Henze Kleists Schauspiel «Der Prinz von Homburg» als Operntext einrichtete. Bewusst implantierte sie hier gegen die Vorlage die von Natalie und der Kurfürstin ausgesprochene Utopie, «dass die Empfindung einzig retten kann».

Ebenso bewusst allerdings hat Henze das Schlussensemble so vertont, dass man vom Text nichts mehr versteht. Stephan Kimmig geht in seiner Stuttgarter Inszenierung, die auch noch die letzten Anklänge an «Kriegszucht und Gehorsam» löscht, einen entscheidenden Schritt weiter. Am Ende bilden alle Spieler eine Gemeinschaft, tragen Slogans wie «Freiheit», «Welt» und «Wir» auf ihren Shirts oder halten wie bei einem Fußballspiel ihre bunten Schals in die Luft und fordern «Mitgefühl», «Fantasie», «Diversity», «Solidarność», «Fraternité». Ein Schluss, dessen schneidender Doppelsinn alles in der Schwebe hält und noch das explizite Bekenntnis zweifelnd ironisiert. Der letzte Übertitel zitiert Bachmann: «Sie alle ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Auf Leben und Tod

Gehen ohne zu verschwinden. In nächster Nähe sternenweit entfernt. Mit Händen zu greifen und doch unerreichbar. Sprachloser Schwebe ausgeliefert, gefangen zwischen Leben und Tod. So lange der Körper versorgt wird, das Blut pulsiert wie vorher. Vor dem alles entscheidenden Moment, als das Bewusstsein versank in tiefe Nacht. Und mit ihm die Fähigkeit, Kontakt zu...

Wie Scala-Chef Alexander Pereira sich an einem Millionen-Deal mit Saudi-Arabien die Finger verbrannte – und doch für die hauseigene Akademie lukrative Aufträge sicherte

Am Anfang lief alles wie geschmiert. Intendant Alexander Pereira, stets auf der Suche nach neuen Märkten und Geldgebern für das Teatro alla Scala, konnte einen Kontakt mit Saudi-Arabien aufbauen. Ein knappes Drittel des Jahresbudgets der Mailänder Oper von zurzeit 125 Millionen Euro ist durch öffentliche Fördergelder gedeckt, den Rest muss das Haus selbst...

Apropos... Spitzentöne

Frau Takala, es ist frühmorgens um sieben, die Met ruft an und bittet Sie, am selben Abend die Königin der Nacht  zu singen. Sagen Sie zu?
Ich könnte das machen, aber vielleicht nicht in New York; der Flug ist zu lang. In München hingegen wäre es denkbar. Grundsätzlich hängt meine Entscheidung davon ab, welche Partien ich parallel singe. Ist es beispielsweise etwas...