Flehend und fordernd
Das Buch ruft erst einmal Schrecken hervor, ausgelöst durch sein Gewicht (2,5 Kilogramm), den Preis (99 Euro) und die Flut hunderter (!) Fotografien von Christian Thielemann – Großaufnahmen unzählig variierter Aspekte des Dirigierens, von Brust, Kopf, Augen, Armen und Händen des Dirigenten, die den Taktstock virtuos tanzen lassen.
Thielemanns Präsenz bei Proben vor allem am Pult der Dresdner Staatskapelle, aus nächster Nähe festgehalten, erscheint übermächtig, beschwörend – ein Dompteur, der mit all seiner Leidenschaft daran arbeitet, die kollektive Klangbestie gleichzeitig zu zähmen und anzustacheln.
Dringt man in das von Clemens Trautmann, dem Präsidenten der Deutschen Grammophon, und dem Fotografen und Verleger Lois Lammerhuber realisierte Buch ein, wird die dramaturgische Idee greifbar: Thielemanns Dirigiermanöver wurden in vier Probensitzungen der Jahre 2013 und 2014 abgelichtet, beim Verdi- und beim Mozart-Requiem in Dresden und Salzburg, beim «Tristan» in Bayreuth und beim Dresdner Silvesterkonzert mit Operettenmusik. Was an Probenmomenten gezeigt wird, ist mit der Stoppuhr dokumentiert, wird zur Bildunterschrift und einem Kurzkommentar. Etwa so: Mozart-Requiem 7. April ...
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