Die beste aller Welten

Dmitri Tcherniakov therapiert an der Berliner Staatsoper das Personal in Prokofjews «Verlobung im Kloster»; Daniel Barenboim, die Staatskapelle und ein exzellentes Solistenensemble ziehen vergnügt mit

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Moment mal, irgendwie kommt uns das ziemlich bekannt vor. Nicht die ominöse Geschichte mit der von trinkfesten Mönchen besiegelten Doppelhochzeit am Ende, die im deutschsprachigen Raum unter dem irreführenden Titel «Die Verlobung im Kloster» beworben wird. Nicht diese auf vier Akte gestreckte Buffa, die Sergei Prokofjew 1940, vier Jahre nach seiner Rückkehr in Stalins blutig gesäubertes rotes Reich, auf eine Komödie des irischen Dramatikers und Impresarios Richard Brinsley Sheridan schrieb – eines Mozart-Zeitgenossen, der in der Westminster Abbey seine letzte Ruhe fand.

Denn Prokofjews wenige Monate vor dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion abgeschlossene Hommage an die commedia dell’arte wird heute äußerst selten in Szene gesetzt. An der Berliner Staatsoper stand sie zuletzt 1958 auf dem Spielplan. Doch was der russische Regisseur und Bühnenbildner Dmitri Tcherniakov dort nun mit dem Opus veranstaltet, hat schon die Anmutung eines Déjà-vus.

Tcherniakov liebt das Fabulieren, er denkt sich gern eigene Plots aus, die er – als Kommentar oder Meta-Erzählung – in das von Libretto und Partitur vorgegebene Geschehen einzieht. Beim Festival in Aix-en-Provence zum Beispiel ...

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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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