Die beste aller Welten
Moment mal, irgendwie kommt uns das ziemlich bekannt vor. Nicht die ominöse Geschichte mit der von trinkfesten Mönchen besiegelten Doppelhochzeit am Ende, die im deutschsprachigen Raum unter dem irreführenden Titel «Die Verlobung im Kloster» beworben wird. Nicht diese auf vier Akte gestreckte Buffa, die Sergei Prokofjew 1940, vier Jahre nach seiner Rückkehr in Stalins blutig gesäubertes rotes Reich, auf eine Komödie des irischen Dramatikers und Impresarios Richard Brinsley Sheridan schrieb – eines Mozart-Zeitgenossen, der in der Westminster Abbey seine letzte Ruhe fand.
Denn Prokofjews wenige Monate vor dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion abgeschlossene Hommage an die commedia dell’arte wird heute äußerst selten in Szene gesetzt. An der Berliner Staatsoper stand sie zuletzt 1958 auf dem Spielplan. Doch was der russische Regisseur und Bühnenbildner Dmitri Tcherniakov dort nun mit dem Opus veranstaltet, hat schon die Anmutung eines Déjà-vus.
Tcherniakov liebt das Fabulieren, er denkt sich gern eigene Plots aus, die er – als Kommentar oder Meta-Erzählung – in das von Libretto und Partitur vorgegebene Geschehen einzieht. Beim Festival in Aix-en-Provence zum Beispiel ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Herr Stölzl, Sie sind ein Regisseur und Bühnenbildner des «think big». Gewaltiger als auf der Bregenzer Seebühne geht es ja nun nicht mehr ...
Stimmt. Ich überlege wirklich, was danach noch kommen soll. Vielleicht war’s das nun? Aber im Ernst: Ich hatte immer davon geträumt, in Bregenz zu arbeiten. Mit Anfang 20, als Bühnenbildassistent an den Münchner...
Darmstadt legt den Rückwärtsgang ein. Aber was 1912 Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss unter Assistenz Max Reinhardts nicht schafften – Molières comédie-ballet «Der Bürger als Edelmann» mit dem Operneinakter «Ariadne auf Naxos» zu einem Hybrid aus Wort, Tanz und Gesang zu verbinden –, ging auch in Christian Weises Darmstädter Inszenierung gründlich schief....
Der erste Staatsbesuch eines amerikanischen Präsidenten in China – Richard Nixon reiste 1972 zu Mao Tse-tung – war so bedeutend wie die Mondlandung drei Jahre zuvor. Der Regisseur Marco Štorman nimmt diese These am Stuttgarter Opernhaus als Anregung für seine Inszenierung. Er lässt Nixon gleich zu Beginn auf die Bühne heruntersteigen, als komme er aus der...
