Flamme der Begeisterung
Als Giuseppe Verdi in den Jahren 1880-1881 über die Möglichkeit einer Neufassung seines mehr als zwanzig Jahre alten Melodrammas «Simon Boccanegra» nachdachte, entschloss er sich zu einer Reihe von «cambiamenti radicali», tief greifenden Änderungen. Gemeinsam mit Arrigo Boito machte er sich an eine grundlegende Überarbeitung des Werks, bei der vieles von der Substanz der Urgestalt bewahrt, diese aber zugleich so essenziell erweitert und modifiziert wurde, dass aus der alten Oper eine neue wurde.
Die Geschichte von Verdis «Simon Boccanegra» kam mir wieder in den Sinn, als ich mich der Lektüre der Neuausgabe von Jürgen Kestings Standardwerk über «Die großen Sänger» widmete: Die ja durchaus nahe liegende Erwartung, der Autor habe die – seit Jahren vergriffenen – drei Bände der Erstfassung von 1986 nun durch einen neu geschriebenen Band über die Entwicklungen der vergangenen zwei Jahrzehnte zur Tetralogie ergänzt, wird bereits auf den ersten Seiten angenehm enttäuscht. Kesting, nicht nur den Lesern dieser Zeitschrift als stupender Kenner der Materie seit Langem vertraut, hat es sich nicht leicht gemacht und viele der Positionen, die er 1986 formuliert hatte, gründlich überprüft. Ihm ist ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Schutzlos ausgeliefert, fast nackt, dem Publikum indiskret nahe. Kein Kostüm, hinter dem man sich verstecken kann, kein Graben, der Distanz schafft, kein Orchester, das einen akustisch schützend umhüllt. Liedgesang, zumal im Saal, scheint keine Sache für Ängstliche. Manche Sänger freilich lieben gerade diese Nähe: «Was mich am Lied so fasziniert, ist die direkte...
Herr Spuck, was hat Sie bewogen, sich der Oper zuzuwenden? Ein äußerlicher Anlass? Innere Notwendigkeit?
Neugierde. Faszination eines Metiers, das ich schon immer mochte. Einer der Gründe, weswegen ich vor drei Jahren am Theater Heidelberg die Oper «Berenice» von Johannes Maria Staud inszeniert habe, war der Wunsch, intensiver an der Entwicklung der Bühnenfiguren zu...
In zwei Jahren feiert der «Rosenkavalier» seinen hundertsten Geburtstag. So langsam wird klar, welch bitterböses, ironisch-pessimistisches Stück uns Hofmannsthal und Strauss mit dieser Komödie hinterlassen haben. Wenn am Ende der Vorhang fällt, hat nicht nur der derbe Baron Ochs eine schmerzhafte Abreibung erhalten – auch die Marschallin, die sich die Zeit mit...
