Flacher die Glocken nie klangen

Gelsenkirchen, Kassel und Düsseldorf mit szenischen Adaptions-Versuchen von Bachs «Weihnachtsoratorium»

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Es dürfte sich wohl kaum um einen Zufall handeln, dass im zweiten Pandemie-Winter Bachs «Weihnachtsoratorium» gleich an drei deutschen Opernhäusern als szenisches Musiktheater auf die Bühne gebracht wird. Man könnte in dieser Häufung einen Hang zu neuer Spiritualität oder Tiefgründigkeit vermuten, nach denen es die Opernseelen dürstet, vielleicht aber auch einen gerade durch die Abstinenz erwachten Überdruss am alljährlichen Wiederholungszwang jener Repertoirekracher, die um die Jahreswende sonst die Spielpläne dominieren, weil die Tradition es so will.

Und die Sehnsucht nach einer kalorienreduzierten, asketischeren Alternative zur unvermeidlichen «Zauberflöte», zu «La Bohème» und «Hänsel und Gretel» oder den Ballett-Evergreens wie «Nussknacker» oder «Schwanensee». Nun sind barocke Oratorien schon längst kein Tabu mehr auf der Opernbühne. Seit John Neumeier vor 40 Jahren Bachs «Matthäuspassion» in Hamburg vertanzte, hat es unzählige erfolgreiche szenische Adaptionen der Bach-Passionen gegeben; auch Händels Oratorien, oder Alessandro Scarlattis «Cain» haben sich als ungemein bühnentauglich erwiesen, auch deshalb, weil sie eigentlich verkappte Opern sind.

Bachs «Weihnachtsoratorium» ...

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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Regine Müller

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