Editorial Februar 2022
Still ist die Nacht, es ruhen die Gassen. In diesem Hause wohnte mein Schatz. Sie hat schon längst die Stadt verlassen. Doch steht noch das Haus auf demselben Platz.» So heißt es – von Heinrich Heine getextet und von Franz Schubert düster, ostinativ und h-Moll-existenziell in Noten gesetzt – in dem «Schwanengesang»-Lied «Der Doppelgänger». Schon immer erinnerten uns Orte an einst hier stattgefundene Begebenheiten, schon immer boten sie zahlreiche Möglichkeiten der ausdifferenzierten «Ereignis-Wiederkehr im Kopfe». Auch gute Erinnerungen sind es. Manchmal.
Um im Bild zu bleiben: In dem «Winterreise»-Lied vom Lindenbaum auf einen Text von Wilhelm Müller erklingen in Schuberts Vertonung nostalgisch lockende E-Dur-Hornrufe, schmerzvoll-süße Terzen und warmfrühlingswindumflorte Sextbrechungs-Triolen im Klavier: «Ich schnitt in seine Rinde so manches liebe Wort.» Orte sind Melancholie-Trigger. Zweifelsohne. Doch ist es dabei egal, wie stark sich Orte im Laufe der Zeit verändern?
In Basel, wo demnächst eine szenische «Winterreise» stattfindet (die natürlich in unserer nächsten Ausgabe besprochen werden wird), saniert man seit 2014 Theatertechnik, äußere Gebäudehülle und Künstlerbereiche. ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Arno Lücker
Seien wir ehrlich: Das Stück war uns unbekannt. Und auch sein Schöpfer, der portugiesische Barockmeister Francisco António de Almeida, 1702 geboren und vermutlich beim Erdbeben von Lissabon anno 1755 zu Tode gekommen, kaum vertraut. Aber was ist das für eine Musik! Göttlich ist sie, würde- und seelenvoll, erhaben – und von einer Schönheit, die überirdisch zu nennen...
Da steht eine kaputte Kutsche im Winterwald von Fontainebleau, dem Ort der ersten Begegnung den spanischen Kronprinzen und seiner französischen Braut, die es nicht bleibt, weil die Politik dazwischenkommt und der König selbst zugreifen wird. Es ist dunkel – und heller wird es den ganzen langen Abend nicht mehr. Wir schauen in finstere Kloster- und...
Anders als Walter Felsenstein und Wieland Wagner, die als Mitbegründer des modernen Regietheaters gelten, hat Günther Rennert (1911–1977) kaum Spuren in der Theatergeschichte hinterlassen. Dabei war der Hamburgische (1946–1956) und Münchner (1967–1976) Intendant zu seinen Lebzeiten ebenso bekannt wie seine beiden berühmteren Kollegen. Zwischen dem hochstilisierten...
