Fein geschliffen
Die Wette wurde im Freundeskreis abgeschlossen: Beim Googlen des Stichworts «Titan» im Internet würde an erster Stelle nicht Ludwig van Beethoven erscheinen, sondern ein auf andere Weise legendärer Mann, der frühere Torhüter des deutschen Fußballserienmeisters Bayern München, dort jüngst mit Getöse zum Vorstandsmitglied bestellt. Klick. Oliver Kahn, tatsächlich. Wette gewonnen, Applaus vom Gegner. Ganz ähnlich wäre vermutlich das Ergebnis einer Straßenumfrage. Daran änderte wohl auch das «Beethoven-Jahr» wenig.
Und Gänsehaut bekäme die demoskopisch erfasste Mehrheit vermutlich eher in Erinnerung an Kahns entscheidende Parade bei Mauricio Pellegrinos Strafstoß im Finale der Champions League 2001 gegen Valencia. Weniger beim Anhören von Beethovens «Appassionata», die noch Otto von Bismarck nach eigener Aussage zu einem «tapferen Menschen» formte. Tempora mutantur, ed nos mutamur in illis.
So ist jene aspera-ad-astra-Dramaturgie, die frühere Beethoven-Biografien formte, größerer Distanz gewichen. Auch Matthias Henke fördert in seinem Buch eine neue Wahnehmung, verweigert dabei aber alles Schnoddrige, sondern behandelt das Thema mit Respekt, Liebe und Neugier. Ohne falsche ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Gerhard Persché
Ein uraltes Bühnenklischee verbindet den hohen Scheitel mit schwarzen Gedanken und Taten, weswegen etwa Gustaf Gründgens als Mephisto kahlköpfig erschien. In der Uraufführung von Christian Josts «Egmont» am Theater an der Wien wird der Fiesling Alba zeitweise solcherart gebrandmarkt, wobei Bo Skovhus sich in darstellerisch perfekter Selbstverleugnung als Scheusal...
«O man müsst’s sehen, man müsst’s greifen können …» Nicht unbedingt mit Fäusten, wie Wozzeck es gegenüber Marie vorbringt, sondern eher mit gespannten Sinnen. Aber es geht hier ja auch nicht um Bergs Oper, sondern um Philip Glass’ «The Fall of the House of Usher». Von deren Aufführung durch die Wolf Trap Opera aus Washington DC erhalte das Ohr «bloß 40 Prozent des...
Jubilare
Meriel Dickinson studierte 1958-63 Klavier und Gesang am Royal Manchester College of Music, anschließend an der Wiener Musikakademie, wo sie zwei Jahre späte ihr Diplom als Gesangslehrerin erwarb. Die vielseitige Mezzosopranistin begann ihre Laufbahn 1964 in London als Konzertsolistin, wobei sie sich vor allem der zeitgenössischen englischen Musik...
