Endspiel

Verdi: Il trovatore
KÖLN | OPER | STAATENHAUS

Opernwelt - Logo

Ein Geniestreich, heißt es, ließe sich nicht wiederholen. Weil er Einzigartigkeit für sich beansprucht. Das mag sein, und doch gibt es immer wieder die berühmten Ausnahmen von der Regel. Eine solche ist Dmitri Tcherniakovs abgründige Inszenierung von Verdis «Il trovatore». 2012 kam sie am Théâtre La Monnaie in Brüssel heraus, mit Marc Minkowski am Pult (siehe OW 8/2012), nun erlebte sie im Kölner Staatenhaus, von Joël Lauwers szenisch einstudiert, eine Renaissance, die nicht zuletzt in musikalischer Hinsicht das Prädikat «sensationell» verdient.

Verantwortlich für diese Glanztat zeichnet Dirigent Will Humburg. Er entlockt dem Gürzenich-Orchester Köln Klänge von ungeahnter Intensität, und er deutet das Dramma lirico – in absoluter Übereinstimmung mit der Szene – als ein Kammerstück, dessen innerstes Wesen Verzweiflung ausdrückt – eine Verzweiflung, die so elementar, so suggestiv, so intrinsisch ist, dass man nicht selten den Atem anhält. Wie magnetisch wird man von den Ereignissen auf und, mehr noch, neben der Bühne angezogen, wo, von Dunkelheit umgeben, das Orchester sitzt, wo, ebenfalls aus dem Off, der von Rustam Samedov fantastisch einstudierte Chor erklingt, und wo Humburg mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Tuckernder Grusel

«O man müsst’s sehen, man müsst’s greifen können …» Nicht unbedingt mit Fäusten, wie Wozzeck es gegenüber Marie vorbringt, sondern eher mit gespannten Sinnen. Aber es geht hier ja auch nicht um Bergs Oper, sondern um Philip Glass’ «The Fall of the House of Usher». Von deren Aufführung durch die Wolf Trap Opera aus Washington DC erhalte das Ohr «bloß 40 Prozent des...

Alles nur Kino

Phänomenal! In Genf singt sich John Osborn als Raoul in «Les Huguenots» in die schmale Riege herausragender Meyerbeer-Tenöre – der Vergleich mit dem vor drei Jahren verstorbenen Nicolai Gedda ist nicht zu hoch gegriffen. Schon in der ersten Romanze gibt Osborn dem Affen Zucker und findet gleichzeitig himmlische Piani mit feinster Messa di voce. Über drei Stunden...

Ein bühnenreifes Leben

Sie war anmutig wie eine Fee, sie hatte eine zauberhafte, überaus zarte, silbrige Stimme, sie bezauberte die Opernwelt mit ihrem engelsgleichen Gesang. Jacques Offenbach lag ihr zu Füßen, Iwan Turgenjew sandte Liebesbriefe, das betuchte Publikum verehrte sie, und wenn sie nur die Bühne betrat, ging ein Raunen durch den Saal, noch bevor sie überhaupt den ersten Ton...