Endspiel
Ein Geniestreich, heißt es, ließe sich nicht wiederholen. Weil er Einzigartigkeit für sich beansprucht. Das mag sein, und doch gibt es immer wieder die berühmten Ausnahmen von der Regel. Eine solche ist Dmitri Tcherniakovs abgründige Inszenierung von Verdis «Il trovatore». 2012 kam sie am Théâtre La Monnaie in Brüssel heraus, mit Marc Minkowski am Pult (siehe OW 8/2012), nun erlebte sie im Kölner Staatenhaus, von Joël Lauwers szenisch einstudiert, eine Renaissance, die nicht zuletzt in musikalischer Hinsicht das Prädikat «sensationell» verdient.
Verantwortlich für diese Glanztat zeichnet Dirigent Will Humburg. Er entlockt dem Gürzenich-Orchester Köln Klänge von ungeahnter Intensität, und er deutet das Dramma lirico – in absoluter Übereinstimmung mit der Szene – als ein Kammerstück, dessen innerstes Wesen Verzweiflung ausdrückt – eine Verzweiflung, die so elementar, so suggestiv, so intrinsisch ist, dass man nicht selten den Atem anhält. Wie magnetisch wird man von den Ereignissen auf und, mehr noch, neben der Bühne angezogen, wo, von Dunkelheit umgeben, das Orchester sitzt, wo, ebenfalls aus dem Off, der von Rustam Samedov fantastisch einstudierte Chor erklingt, und wo Humburg mit ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Jürgen Otten
In Händels selten gespieltem «Tolomeo», der die 43. Internationalen Karlsruher Händel-Festspiele eröffnete, sind noch keine zwei Minuten vergangen, als der von seiner Mutter vertriebene, um seine totgeglaubte Geliebte Seleuce trauernde Pharao Tolomeo Selbstmord begehen will, aber von einem Schiffbrüchigen abgehalten wird, den das Meer an Land spült. Er rettet ihn,...
Für eine bedeutende gesellschaftliche Schicht des ehemaligen k.u.k-Reichs lag nach 1918 nicht nur die Welt, sondern ihre Existenz ganz allgemein in Trümmern. Österreich war zu einem Rumpfstaat geworden, die Geldbeutel waren leer, die Ausrufung der Republik, das Aufstreben der Linken und die manifeste Emanzipation der Frauen hatten zu einer gesellschaftlichen...
Zumindest für Science-Fiction-Freunde hält der Erfurter «Lohengrin» ein paar Augenblicke Kurzweil bereit. Dann nämlich, wenn man das Plündern einschlägiger Genrefilme, das Regisseur Hans-Joachim Frey und sein Ausstatter Hartmut Schörghofer so unbekümmert wie wenig durchdacht betreiben, zum Anlass für ein heiteres Zitate-Raten nimmt. «Metropolis», «Raumpatrouille...
