Detailreich
Wer sagt eigentlich, dass Don Juan immer ein feuriger, schwarzgelockter Macho sein muss? Noch dazu, wenn er als Titelheld in Mozarts «Don Giovanni» ohnehin schon arg am Ende seiner Kräfte, wenn schon nicht seiner Leidenschaften ist? In Elisabeth Stöpplers Grazer Inszenierung des Dramma giocoso kommt er als netter blonder Junge von nebenan ins Spiel, unauffällig in Kapuzenmantel und rotes Shirt gekleidet (Kostüme: Su Sigmund), eine Handykamera im Anschlag.
Er ist auf dem Weg zu Donna Anna, die sich bereitwillig (und voyeuristisch bühnenbildhoch vergrößert) in sexy Posen von ihm filmen lässt. Fragt sich: Wer verführt hier wen?
Schon zu Beginn der Ouvertüre sieht man an einer Hauswand ein anderes Paar, verdruckst und ziemlich unglücklich händchenhaltend: Leporello hat eine Frau; den späten Hinweis auf den Familienstand gibt ein kleines Rezitativ knapp vor der Friedhofszene. Die Regisseurin hat den Text sehr genau gelesen. Das Baby, das sie mit sich herumträgt: Ist es auch von ihm? Die Verhältnisse sind also einigermaßen anders als gewohnt vor wie in dem weiß und kalt gestylten Wohnblock, den Annika Haller auf der Drehbühne rotieren lässt. Jeder hat hier zwar sein Zimmer, manche ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Karl Harb
Malin Gjörup
Sie herrscht über ein vergleichsweise bescheidenes Reich: die Norrlands Operan im nordschwedischen Umea. Aber auch dort wird Musiktheater groß geschrieben. Nun steht Mozarts «Don Giovanni» an, dirigiert von Benjamin Bayl, inszeniert von Tobias Theorell, dem designierten Intendanten der Folkoperan, Stockholm. Eine Reise mitten hinein in leuchtende...
Du sollst nicht langweilen!» hieß das Motto eines ganz Großen. Leider kein Gegenwartskomponist, sondern Filmregisseur: Billy Wilder. Dennoch ein Satz von Gültigkeit, schließt er ja das Komplexe, Tiefgründige, Kluge nicht aus. In dieser Hinsicht bot das Stuttgarter Eclat-Festival, 1980 erstmals über die Bühne gegangen und neben den Donaueschinger Musiktagen das...
Für eine bedeutende gesellschaftliche Schicht des ehemaligen k.u.k-Reichs lag nach 1918 nicht nur die Welt, sondern ihre Existenz ganz allgemein in Trümmern. Österreich war zu einem Rumpfstaat geworden, die Geldbeutel waren leer, die Ausrufung der Republik, das Aufstreben der Linken und die manifeste Emanzipation der Frauen hatten zu einer gesellschaftlichen...
