Detailreich
Wer sagt eigentlich, dass Don Juan immer ein feuriger, schwarzgelockter Macho sein muss? Noch dazu, wenn er als Titelheld in Mozarts «Don Giovanni» ohnehin schon arg am Ende seiner Kräfte, wenn schon nicht seiner Leidenschaften ist? In Elisabeth Stöpplers Grazer Inszenierung des Dramma giocoso kommt er als netter blonder Junge von nebenan ins Spiel, unauffällig in Kapuzenmantel und rotes Shirt gekleidet (Kostüme: Su Sigmund), eine Handykamera im Anschlag.
Er ist auf dem Weg zu Donna Anna, die sich bereitwillig (und voyeuristisch bühnenbildhoch vergrößert) in sexy Posen von ihm filmen lässt. Fragt sich: Wer verführt hier wen?
Schon zu Beginn der Ouvertüre sieht man an einer Hauswand ein anderes Paar, verdruckst und ziemlich unglücklich händchenhaltend: Leporello hat eine Frau; den späten Hinweis auf den Familienstand gibt ein kleines Rezitativ knapp vor der Friedhofszene. Die Regisseurin hat den Text sehr genau gelesen. Das Baby, das sie mit sich herumträgt: Ist es auch von ihm? Die Verhältnisse sind also einigermaßen anders als gewohnt vor wie in dem weiß und kalt gestylten Wohnblock, den Annika Haller auf der Drehbühne rotieren lässt. Jeder hat hier zwar sein Zimmer, manche ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Karl Harb
Nach dem spektakulären Erfolg seiner Indianer-Oper «Il Guarany» an der Scala wurde der brasilianische Komponist Antônio Carlos Gomes, der 1864 zum Studium nach Mailand gekommen war und dort bald in Kontakt mit der Gruppe der Scapigliati um Arrigo Boito trat, als ein potenzieller Nachfolger Giuseppe Verdis gehandelt, der sich nach der «Aida» zurückziehen wollte....
Der Skandal war unüberhörbar, damals, vor neun Jahren. Dmitri Tcherniakovs Inszenierung von Glinkas «Ruslan und Ljudmila» am Bolschoi Theater führte im Saal zu tumultartigen Szenen. Fast in jeder Vorstellung gab es lautstarke Zwischenrufe; man warf dem russischen Regisseur vor, das Werk in abscheulicher Weise verunstaltet zu haben. Kurzum: Das Volk im Parkett und...
61. Jahrgang, Nr 4
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