Detailreich
Wer sagt eigentlich, dass Don Juan immer ein feuriger, schwarzgelockter Macho sein muss? Noch dazu, wenn er als Titelheld in Mozarts «Don Giovanni» ohnehin schon arg am Ende seiner Kräfte, wenn schon nicht seiner Leidenschaften ist? In Elisabeth Stöpplers Grazer Inszenierung des Dramma giocoso kommt er als netter blonder Junge von nebenan ins Spiel, unauffällig in Kapuzenmantel und rotes Shirt gekleidet (Kostüme: Su Sigmund), eine Handykamera im Anschlag.
Er ist auf dem Weg zu Donna Anna, die sich bereitwillig (und voyeuristisch bühnenbildhoch vergrößert) in sexy Posen von ihm filmen lässt. Fragt sich: Wer verführt hier wen?
Schon zu Beginn der Ouvertüre sieht man an einer Hauswand ein anderes Paar, verdruckst und ziemlich unglücklich händchenhaltend: Leporello hat eine Frau; den späten Hinweis auf den Familienstand gibt ein kleines Rezitativ knapp vor der Friedhofszene. Die Regisseurin hat den Text sehr genau gelesen. Das Baby, das sie mit sich herumträgt: Ist es auch von ihm? Die Verhältnisse sind also einigermaßen anders als gewohnt vor wie in dem weiß und kalt gestylten Wohnblock, den Annika Haller auf der Drehbühne rotieren lässt. Jeder hat hier zwar sein Zimmer, manche ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Karl Harb
Die Wette wurde im Freundeskreis abgeschlossen: Beim Googlen des Stichworts «Titan» im Internet würde an erster Stelle nicht Ludwig van Beethoven erscheinen, sondern ein auf andere Weise legendärer Mann, der frühere Torhüter des deutschen Fußballserienmeisters Bayern München, dort jüngst mit Getöse zum Vorstandsmitglied bestellt. Klick. Oliver Kahn, tatsächlich....
Es wurde wirklich höchste Zeit. Zeit für eine Kugel-Revolution. Und um sie anzuzetteln, bedurfte es nur eines einzigen mutigen Mannes. Manfred Honeck heißt er, ist im Hauptberuf (Opern-)Dirigent (und als solcher durchaus mit Talenten gesegnet) sowie seit Kurzem in erlaubter Nebentätigkeit Kulinarik-Experte. Wie das? Ganz einfach: Honeck hat das Ende der...
61. Jahrgang, Nr 4
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752332
REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de
REDAKTION
Jürgen Otten (V. i. S. d. P.)
Albrecht Thiemann
REDAKTIONSBÜRO
Andrea Kaiser | redaktion...
