Faszinierendes Kaleidoskop
Die Aufmachung und das Papier, die Schrifttype und die Farbgestaltung hätten wohl dazu geführt, dass ich dieses Buch nicht genauer gelesen hätte, zu sehr erwartete ich einen Band, der lediglich einige Klischees bedienen würde, ohne eine gewisse Tiefe zu erreichen. Hinzu kam: Ein vermeintliches Sammelsurium, das fünf Essays über Aufführungspraxis, neun Interviews und eine teilweise in Tabellenform gestaltete Geschichte des vor genau 100 Jahren gegründeten Mozartfests Würzburg vereint, schien mir suspekt, daran konnte auch Dimitra Wills gelungene Bildauswahl nichts ändern.
Aber ich habe mich geirrt und bin froh, dass ich das Buch nicht gleich zur Seite gelegt habe. Minute um Minute schwand beim Lesen meine anfängliche Skepsis und verwandelte sich in große Begeisterung. Weil jede Note zählt – Alfred Brendels Formulierung aus Markus Thiels Gespräch mit ihm wurde zum Buchtitel –, werde ich dieses Kompendium sicherlich auch in den nächsten Jahren immer wieder zur Hand nehmen.
Interpretationen und wie auch immer geartete Tradition(en) bedingen sich. Sie können sich kreuzen oder parallel laufen, sich reiben oder ergänzen, befruchten oder aushebeln. Das ist der Grund, warum beim Umgang mit ...
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Opernwelt Mai 2021
Rubrik: BUCH des Monats, Seite 37
von Cornelius Meister
Der Dichter spricht: «Come to me in my dreams, and then by day I shall be well again, for then the night will more than pay the hopeless longings of the day.» Mit diesen so zärtlichen wie erschütternden Versen suchte Matthew Arnold (1822–1888) all jenen Menschen, die das Liebste verloren haben, zur Seite zu stehen, sie zu trösten mit der Idee, dass der Abschied...
Der Titel ruft lässt unvermittelt die Erinnerung an einen der schönsten Romane aus der sprudelnden Feder Isabel Allendes hervor: «Das Geisterhaus». Und ebenso an die Stückadaption des Stoffes, «The House of the Spirits» von Cavidad Svich. Doch keine Sorge, durch diese heiligen Hallen geistern keine Gespenster, sondern lauter inspirierte Menschenkinder. So zumindest...
Würde man zum Pathos neigen, könnte man sagen: Monteverdi war ihr Schicksal. Bei Lichte betrachtet taugte dieser Komponist aber vor allem als Bindeglied zwischen zwei Künstlern, die sich nicht erst seit gestern der enigmatischen Aura seiner Musik verschrieben haben. Erstmals vor zehn Jahren kamen Sonya Yoncheva und Leonardo García Alarcón für ein Monteverdi-Projekt...
