Faszinierendes Kaleidoskop
Die Aufmachung und das Papier, die Schrifttype und die Farbgestaltung hätten wohl dazu geführt, dass ich dieses Buch nicht genauer gelesen hätte, zu sehr erwartete ich einen Band, der lediglich einige Klischees bedienen würde, ohne eine gewisse Tiefe zu erreichen. Hinzu kam: Ein vermeintliches Sammelsurium, das fünf Essays über Aufführungspraxis, neun Interviews und eine teilweise in Tabellenform gestaltete Geschichte des vor genau 100 Jahren gegründeten Mozartfests Würzburg vereint, schien mir suspekt, daran konnte auch Dimitra Wills gelungene Bildauswahl nichts ändern.
Aber ich habe mich geirrt und bin froh, dass ich das Buch nicht gleich zur Seite gelegt habe. Minute um Minute schwand beim Lesen meine anfängliche Skepsis und verwandelte sich in große Begeisterung. Weil jede Note zählt – Alfred Brendels Formulierung aus Markus Thiels Gespräch mit ihm wurde zum Buchtitel –, werde ich dieses Kompendium sicherlich auch in den nächsten Jahren immer wieder zur Hand nehmen.
Interpretationen und wie auch immer geartete Tradition(en) bedingen sich. Sie können sich kreuzen oder parallel laufen, sich reiben oder ergänzen, befruchten oder aushebeln. Das ist der Grund, warum beim Umgang mit ...
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Opernwelt Mai 2021
Rubrik: BUCH des Monats, Seite 37
von Cornelius Meister
Die drei Hesse-Vertonungen unter den «Vier letzten Liedern» von Richard Strauss gehören fraglos zu seinen bedeutendsten. Umso schöner, dass 2017 ein weiteres Strauss-Lied zu Versen dieses Dichters auftauchte; der Tenor Daniel Behle hat es nun erstmals eingespielt: «Der Schmetterling» heißt das eher kurze Stück über das ebenso kurze, aber farbenreiche Leben des...
Es war ein Freitag. Was sonst. Freitag, der 13. Das konnte kein gutes Zeichen sein. War es auch nicht. Am Freitag, dem 13. März 2020, blieben die Uhren stehen, eine neue Zeitrechnung begann. An diesem Tag hob sich in der Oper Dortmund der Vorhang zur Premiere von Daniel-François-Esprit Aubers «La muette de Portici». Doch im Saal herrschte weithin sichtbare Leere....
In den 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts haben Rück- und Seitenlichtkonzepte, die im Bühnenbild teilweise absurde Einschnitte («Lichtschießscharten») erforderten, eigentlich geschlossene Raumkonzepte torpediert. Seither habe ich mir angewöhnt, einen «gedeckelten» Raum so zu akzeptieren, wie er vielleicht gemeint ist. Dabei habe ich mich, wie ich...
