Einfach himmlisch

Sonya Yoncheva unternimmt, von der Cappella Mediterranea unter Leonardo García Alarcón mustergültig begleitet, eine spirituelle Reise durch die Musikgeschichte

Würde man zum Pathos neigen, könnte man sagen: Monteverdi war ihr Schicksal. Bei Lichte betrachtet taugte dieser Komponist aber vor allem als Bindeglied zwischen zwei Künstlern, die sich nicht erst seit gestern der enigmatischen Aura seiner Musik verschrieben haben. Erstmals vor zehn Jahren kamen Sonya Yoncheva und Leonardo García Alarcón für ein Monteverdi-Projekt zusammen. Die bulgarische Sopranistin debütierte weiland in der Titelpartie von «L’incoronazione di Poppea», der spanische Dirigent stand am Pult der Aufführungen. Und das interpretatorische Ergebnis war exzellent.

 

Selbiges lässt sich nun auch für die jüngste künstlerische Liaison der beiden Ausnahmekönner sagen: das Album «Rebirth». Und erneut spielt Monteverdis Oper eine tragende Rolle, nur unter etwas veränderten Umständen. Denn nicht eines der Lamenti der Poppea hat sich Yoncheva auserkoren; diesmal wählte sie eine Arie Arnaltas, «Oblivion soave», was so viel heißt wie «Liebliches Vergessen». Und genau darum ist es Poppeas Amme zu tun: Sie will, dass ihre von Macht- und Liebeshunger getriebene Herrin Erquickung im Schlaf findet. Monteverdi hat dafür Töne und Klänge von nachgerade spiritueller Schönheit gefunden – ...

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Opernwelt Mai 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Jürgen Otten

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