(Fast) alles vom Feinsten

Händel-Party: John Eliot Gardiner belebt «Semele», Ottavio Dantone durchleuchtet «Rinaldo», und Dorothee Mields ist zu Gast beim Fünf-Uhr-Tee des Meisters

Eine Oper? Ein Oratorium? Schwer zu sagen. Händels «Semele» ist beides und beides irgendwie auch nicht. Die Schubladen sind zu schmal, um diese erste abendfüllende Oper in englischer Sprache hineinzuzwängen. Ganz bewusst entschied sich der Komponist, als er das Werk 1743 aufs Papier warf, für eine Synthese aus gleich mehreren Gattungen, die dem damaligen (gebildeten) Londoner Publikum vorgekommen sein muss wie die berühmte Büchse der Pandora: Wer sie öffnet, begibt sich in Gefahr, überwältigt zu werden (oder: zu sein).

Elemente der italienischen Oper und der englischen Masque fanden gleichberechtigt Eingang in die Komposition wie oratorische Passagen. Die Genialität liegt in der Mischung. Passt perfekt, sitzt und hat Format.

Selbiges darf man auch von der Neuaufnahme des Werks mit John Eliot Gardiner, den pointiert aufspielenden English Baroque Soloists, dem herausragenden Monteverdi Choir und exzellenten Gesangssolisten sagen: alles vom Feinsten. Allen voran die traurig-tragische Titelheldin. Louise Alders Semele glüht vor Verlangen, wie Ovid es der Jupiter-Tochter eingeschrieben hat, ihre Gefühlswelt reicht von verträumt-lyrischer Hingabe über selbstbewusste und kristalline ...

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Opernwelt Januar 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Jürgen Otten

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