Apropos... Querverbindungen

Sie sprang für Jaap van Zweden und Nikolaus Harnoncourt ein, gewann 2016 den Georg Solti Conducting Award. Längst startet die Dirigentin Karina Canellakis auf Posten in Hilversum, Berlin und London durch. Inspiration zieht die 39-jährige New Yorkerin nicht zuletzt aus der Kammermusik

So hatten Sie sich Ihre ersten Spielzeiten als Chefdirigentin beim Radio Filharmonisch Orkest wahrscheinlich nicht vorgestellt, Frau Canellakis ...
Nein. Aber die Ausnahmesituation hat die Kreativität befeuert und uns sehr verbunden. Ich habe die Musiker auf besondere Weise kennengelernt.

Sie sind Dirigententochter, haben Schlagfiguren, Partiturlesen, Transponieren schon als Teenager gelernt. Losgelegt haben Sie mit der Geige, in der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker und beim Chicago Symphony Orchestra.

Doch schon in Berlin sind Sie zum Spurwechsel ermutigt worden.
Simon Rattle hatte von meinem Interesse am Dirigieren gehört. Nach einem Kammermusikabend, wo ich die erste Geige spielte, sprach er mich an: Du solltest das machen! Ich dachte, er will mich als Violinistin loswerden (lacht). Möglich, dass mir die Vorstellung unrealistisch vorkam, weil ich im Orchester nie unter einer Frau gespielt habe. Ich mit meinem blonden Haar, das passt nicht, wie soll das gehen? Doch in Chicago inspirierten mich Pierre Boulez und Bernard Haitink sehr. Und als wir mit Esa-Pekka Salonen arbeiteten, der mir altersmäßig näher war, wurde die Sache vorstellbar. Mit Ende 20 wurde ich ...

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Opernwelt Januar 2021
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Wiebke Roloff Halsey

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