Familiendrama

Cimarosa: Gli Orazi e i Curiazi
Rheinsberg | Schlossgarten

Opernwelt - Logo

Auch in Rheinsberg wirbt man wieder mit dem Hinweis, bei diesem Stück handele es sich um Napoleons Lieblingsoper. Das Prädikat ergäbe indes nur Sinn, wenn dem Mann ein gewisses Musikverständnis zugebilligt werden könnte. Doch damit war es nicht weit her – mögen seine Biografen auch Gegenteiliges behaupten. Napoleon pfiff manchmal ein Liedchen, traf aber dabei keinen einzigen Ton richtig.

Er umgab sich gern mit Zelebritäten, zeichnete Cherubini aus (obwohl er dessen Werke nicht verstand), verlieh Grétry eine Staatspension, beauftragte Paisiello mit der Festmusik für seine Krönung 1804. Die Künste dienten ihm vornehmlich zur Verherrlichung seiner Macht oder als Amüsement.

Domenico Cimarosas «Gli Orazi e i Curiazi» (1796) auf eine Tragödie Corneilles besitzt keine dieser Qualitäten, erschien aber weiland dermaßen häufig auf der Bühne, dass Francecso Gnecco bereits 1803 eine Parodie dieser Opera seria ablieferte. Napoleon gefiel, als er noch Erster Konsul war, vielleicht die republikanische Botschaft des Stücks; hauptsächlich aber dürfte ihm Giuseppina Grassini gefallen haben, seine Liebhaberin, die in Paris 1800, wie schon bei der venezianischen Uraufführung vier Jahre zuvor, die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Panorama, Seite 66
von Volker Tarnow

Weitere Beiträge
Klassenkampf light

Als «Festival zur Förderung junger Sänger» hat Siegfried Matthus 1990 die Kammeroper Schloss Rheinsberg gegründet. Ins idyllische Ruppiner Land, wo einst der Preußenprinz Friedrich seine schönsten Jahre verlebte und sein Bruder Heinrich später einen Musenhof eta­blierte, kommen die Nachwuchssolisten nicht zum Geldverdienen, sondern um Praxiserfahrungen zu sammeln....

Werkstatt mit Erlebniswert

Mit ihren Opernfestspielen sucht die Bayerische Staatsoper diesmal den Spagat zwischen bewährt-souveränem Handwerk und ergebnisoffenem Experiment. Händels «Agrippina» etwa geht mit enormer Spiellust und virtuoser Verve über die Bühne des Prinzregententheaters. Das Nebenprogramm überrascht mit zeitgenössischem Musiktheater, das in großer stilistischer Vielfalt und...

Vermeiden Sie den Shit-Klick-Faktor!

Vom Teatro alla Scala gibt es die schönen, noch auf die Zeiten Toscaninis zurückgehenden Plakate mit den dekorativen Lorbeerzweigen und dem roten Kreuz des Mailänder Stadtwappens in der Mitte. Mit dem emblematischen Logo waren bis vor Kurzem auch die Eintrittskarten geschmückt. Sie wurden von Hand eingetütet, per Post verschickt und galten bei den Besuchern als...