Vermeiden Sie den Shit-Klick-Faktor!
Vom Teatro alla Scala gibt es die schönen, noch auf die Zeiten Toscaninis zurückgehenden Plakate mit den dekorativen Lorbeerzweigen und dem roten Kreuz des Mailänder Stadtwappens in der Mitte. Mit dem emblematischen Logo waren bis vor Kurzem auch die Eintrittskarten geschmückt. Sie wurden von Hand eingetütet, per Post verschickt und galten bei den Besuchern als Trophäe. Damit ist nun Schluss. Gegen den kundenfreundlichen Einwand des Kartenverkaufsbüros («Die Leute wollen das doch sammeln!») wurden schnöde E-Tickets eingeführt, mit Strichcode, Versand per E-Mail zum Selberausdrucken.
Das spart Kosten und erlaubt obendrein die digitale Kontrolle über die Kundendaten. Der Charme der analogen Welt hat sich überlebt.
Das kleine, aber signifikante Detail illustriert den schwierigen Transformationsprozess, den ein traditionsfestes Opernhaus wie die Scala beim Eintritt in die digitale Ära durchlaufen muss – oft im Kampf gegen eingefahrene Publikumserwartungen und die eigene institutionelle Trägheit. Lanfranco Li Cauli, Marketingchef der Scala, sprach darüber beim Fachtreffen «Re-Imagining Opera for the Digital Age», das vom Internationalen Musik- und Medienzentrum Wien und der Accademia ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Magazin, Seite 99
von Max Nyffeler
Mit interdisziplinären Projekten des Musiktheaters hat Berthold Schneider, seit 2016 Intendant der Wuppertaler Oper, jede Menge Erfahrung. Schon am Anfang seines Weges durch diverse Häuser (Hamburg, Mannheim, Saarbrücken, London/ ENO, Darmstadt u. a.) experimentierte er mit neuen Formaten. In der ehemaligen Staatsbank am Berliner Gendarmenmarkt etwa inszenierte er...
Eine Weltpremiere sollte es werden am Fuße des Erfurter Doms: «Der Name der Rose» als Musical. Die beiden Norweger Øystein Wiik (Text) und Gisle Kverndokk (Musik) schrieben ihr Stück nach Umberto Ecos Jahrhundert-Roman quasi auf die Domstufen. Uraufgeführt wurde an diesem Abend allerdings nur die erste Dreiviertelstunde des Bühnenwerks.
Zunächst begrüßt Guy...
Die Zahlen sind imponierend: 140 Tonnen schwer und 14 Meter hoch ist das Bühnenbild zu Verdis «Rigoletto» auf der Seebühne Bregenz. Acht Millionen Euro ließen sich die Festspiele am Bodensee diese Kulisse kosten – und erfüllten damit erneut die an sich selbst gestellte zentrale Forderung: Open-Air-Spektakel mit höchstem Schauwert anzubieten. Drinnen im...
