Faltenwurf des Populären
Tief ist der «Faltenwurf der italienischen Tradition», die Dortmunds neuer Opernchef Heribert Germeshausen zu Beginn eines Kennenlern-Wochenendes beschwor. So tief, dass eine ganze «Aida» drin verschwinden kann. Denn so fade, uninspiriert, so wenig neugierig, so sehr Heutigkeit und Brisanz nur behauptend, dafür Gemeinplätzchen schlechter Tradition reichlich austeilend, wie Jacopo Spirei Verdis Ägypten-Oper hier ablieferte, immerhin Initiale einer neuen Intendanz, so muss man das selbst in der italienischen Provinz nicht unbedingt sehen.
Dabei hatte es fein angefangen, als Gabriel Feltz die ersten ätherischen Geigentöne wirklich einmal wie aus dem Nichts klingen ließ – tönendes Luftgespinst und Versprechen auf eine Musizierhaltung der Besinnung und Sinnlichkeit, die er dann allzubald über den Haufen rumpelte und im großen, zur Eile neigenden Aplomb manches Unstimmige in Kauf nahm.
Nikolaus Weberns Bühne zeigt eine nüchtern-neutrale Machtarchitektur, darin ein merkwürdig verkrampftes Personal, das sich am wohlsten fühlt, wenn es an die Rampe darf, händeringend, Blick ins Irgendwo. So entwickelt der Abend einen unguten Zug zum Wunschkonzert. Hector Sandoval, der Radamès, beschwört ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Holger Noltze
Das Stück wird geliebt, seine kompositorische Finesse oft gerühmt. Aber es könnte noch viel besser sein, hätte Erich Wolfgang Korngold die Oper nicht mit Anfang 20, sondern mit 30 geschrieben und den «Genius loci» nicht vollständig aus der Musik verbannt. Das von ihm und seinem Vater verfasste Libretto weist Brügge durchaus eine zentrale Rolle zu; musikalisch...
Musik wie hinter einem Schleier, erkennbar und fremd, tieftraurig und schwelgerisch schön. Oboen setzen mit einer Klagebewegung ein, der Chor öffnet in sanfter Wiegenbewegung den Klangraum nach oben: «Zu dir in Demut eil’ ich, mach du mich fromm und rein.» Der Sohn ist tot. Ein Hoffnungsträger wurde geschlachtet. Golgatha ist nah, Bachs «Matthäus-Passion» auch....
Es ist nicht zuletzt ihr Schalk, der Montserrat Caballé unvergesslich macht. Als sie einmal in Köln die Marschallin im «Rosenkavalier» sang, galt deren am Ende des ersten Akts angekündigter Besuch beim Onkel Greifenklau nicht diesem, sondern einem Oheim Drachenfels (für Nicht-Rheinländer: So nennt sich ein beliebter Ausflugsort am Rhein nahe Bonn). Und als Salome...
