Fahr zur Hölle, Liebling!

Mozarts «Don Giovanni» hat Hochkonjunktur: Deutungsversuche an der Neuköllner Oper Berlin, in Bremen, Hamburg und Plauen

Opernwelt - Logo

Was für ein verrückter Abend! Unbotmäßig und aberwitzig ist er, irritierend, inspirierend, intrikat, frech, voller Fantasie, Furor und Finesse. Kurz: ein Abend wie ein Rausch, der vorüberfliegt. Oder auch wie die Reise durch eine Matrix, aus der es definitiv kein Entrinnen gibt.

Gespielt, getanzt (und gerannt) wird Mozarts «Don Giovanni». Aber dieser Gefühlsvergifter hat seinen Adelstitel eingebüßt: «Giovanni.

Eine Passion» nennt sich die Produktion an der kleinen Neuköllner Oper zu Berlin, in Szene gesetzt von Ulrike Schwab, musikalisch einstudiert von Juri de Marco und Anna-Sophie Brüning, mit Sängern und Instrumentalisten, die aber weit mehr sind. Sie sind die Protagonisten einer dekonstruktivistischen, theatralisch überwältigenden Übung in menschlicher Leidenschaft und in menschlichem Leiden.

Passion meint ja beides. Leiden und Leidenschaft, je nachdem. Ulrike Schwab, die Gesangssolisten und die rund 20 Musiker des STEGREIF.orchesters vermählen beide Begriffe. Immer wohnt die Leidenschaft im Leiden, das Leiden in der Leidenschaft. Beides ist nicht voneinander zu trennen. Wie auch das Leben nicht vom Tod zu trennen ist. Das Eine bedingt das Andere. Und das von Anfang an.

De ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Personalien | Meldungen Dezember 2019

JUBILARE

Sieghart Döhring kam im ostpreußischen Bischofsburg/Biskupiec zur Welt. Er studierte Musikwissenschaft, Theologie und Philosophie in Hamburg und Marburg/Lahn, wo er 1969 mit einer Arbeit über die «Formgeschichte der Opernarie vom Ausgang des achtzehnten bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts» promoviert wurde. Von 1983 bis 2006 leitete er das...

Öl und Eselsmilch

Ein Kriegsschauplatz irgendwo im Mittleren Osten: westliche Einsatztruppen im Gefecht mit muslimischen Guerilla-Kämpfern. Bilder, wie man sie – allerdings ohne die pseudo-ethnischen Balletteinlagen der Choreografin Rebecca Howell – weidlich aus der Berichterstattung internationaler TV-Nachrichtensender kennt. An der Mailänder Scala tauschen diplomatische Gesandte...

Der Materie verfallen

Wenn er über Musik sprach, leuchteten die Augen. Seine und die seines Gegenübers. Karl-Dietrich Gräwe war der «Materie» gleichsam verfallen, und es gab nur wenige Experten, die das Phänomen Musik mit so großer Emphase und leidenschaftlicher wie sinnfälliger Begeisterung in Worte zu fassen vermochten wie er. 1937 in Bielefeld geboren, promovierte der studierte...