Der treue Friedrich

Aufgerieben zwischen Ludwig II. und Wagner: eine Biografie über Paul von Thurn und Taxis

Opernwelt - Logo

Es war das perfekte Geschenk zum 20. Geburtstag Ludwigs II. In einem elektrisch beleuchteten Kahn ließ sich der junge Flügeladjutant nachts bei Schloss Hohenschwangau über den Alpsee ziehen, im Schwanenritterkostüm den Lohengrin singend. Paul von Thurn und Taxis, Spross einer alten Regensburger Adelsfamilie und nur zwei Jahre älter als der junge König von Bayern, war ebenso gutaussehend wie anscheinend hochmusikalisch.

Kein Wunder also, dass Ludwig ihn in einer homoerotisch getönten Beziehung nicht nur eng an sich band, sondern auch Paul bald in das symbiotische Verhältnis zwischen dem König und seinem Lieblingskomponisten verstrickt wurde. Nachdem Richard Wagner, unter anderem wegen seiner Beziehung zu Cosima von Bülow, München hatte verlassen müssen, arrivierte Paul zum wichtigsten Mittelsmann zwischen dem schweizerischen Tribschen und der bayerischen Hauptstadt. Dabei (be)nutzte ihn Wagner immer wieder auch, um politischen Einfluss auf den König zu nehmen. Vor allem sollte Paul verhindern helfen, dass Ludwig zurücktrat – was den Komponisten sofort von seiner wichtigsten Geldquelle abgeschnitten hätte. Dennoch ließ der König Paul zweieinhalb Jahre nach seinem Regierungsantritt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
Und die im Dunkeln sieht man doch

Ein Gespenst geht um in Europa. Doch nicht jenes furchterregende Schreckensbild, das Karl Marx und Friedrich Engels 1848 in ihrem «Kommunistischen Manifest» heraufbeschworen, verbirgt sich hinter der schwarzen Maske. Es ist, wer hätte es gedacht, der Kapitalismus, dessen Wesen und Wirkung die Menschen – neben zahllosen anderen rationalen wie irrationalen...

So schön authentisch

Paris, 1833: Die Inszenierung von Aubers Oper «Gustave III ou Le bal masqué» hatte es dem schwedischen Botschafter ganz besonders angetan. Das Bühnenbild des letzten Akts, der Bühnenraum des Opernhauses in Stockholm, schien ihm so täuschend echt, dass er sich für einen Moment in der Heimat wähnte. 185 Jahre später scheinen uns solche Reaktionen reichlich naiv. Die...

Kosmos Schubert

Es gibt nichts, was Schuberts «Winterreise» sich nicht bereits hätte gefallen lassen müssen – von Matthias Loibners naiv naturalistischer Version für Drehleier und Sopran bis zu Hans Zenders «komponierter Interpretation» für Tenor und kleines Orchester, von den zahllosen szenischen Realisierungen ganz abgesehen. Jetzt hat der Pianist Maurice Lammerts van Bueren den...