Fade Bowle
Ein Fluch scheint auf der Plattenfirma Naxos zu lasten: Die Firma ist mit ihrem vielseitigen und reichhaltigen Klassikrepertoire aus dem Musikleben nicht mehr wegzudenken, doch in Sachen Operette zieht sich eine fatale Glücklosigkeit wie ein schwarzer Faden durch die Geschichte dieses ehrwürdigen Labels. Kaum ein Produkt überzeugt, und einige Aufnahmen gehören sogar zu den schaurigsten der Tonträgergeschichte überhaupt. Und das will etwas heißen, gibt es für den willigen Masochisten doch genug bedrohliche Konkurrenz bei cpo.
Zu Letzteren zähle auch ich; dem grimmigen Wunsch der Firma, immer neue Scheußlichkeiten zu produzieren, kommt mein selbstzerstörerischer Wille entgegen, sie mir alle anzuhören. Warum? Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Und die Neugier vermutlich als vorletztes. Denn eines muss man Naxos lassen: Die Repertoire-Auswahl ist spannend. Schon mein ganzes Musik-Leben warte ich auf einen «Waldmeister» (1895) von Johann Strauss (Sohn). Es war sein letzter große Bühnentriumph. Niemand, der eine Strauss-Biografie liest, kann die Leuchtkraft ignorieren, die von diesem Werk ausgeht – allerdings spiegelte sie sich bis jetzt nur in Kritiken und mündlichen Bewunderungsausbrüchen ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Matthias Käther
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