Experimente willkommen
Konservative Kulturauguren orakeln gern über den ach so segensreichen, straff zentralistischen alten Nationalstaat, in dem die Hauptstadt alles, der Rest «Provinz» ist. Nun gilt dies nicht einmal für die Paradebeispiele Frankreich und England, wo sich die «Wasserkopf»-Funktion von Paris oder London lähmend für das ganze Land auswirkt. Denn das Widerspiel von Zentralisierung und Dezentralisierung spielte hier immer wieder eine Rolle, obwohl die Hauptgelder meist doch im Zentrum, zumal in Paris, blieben – allen Lippenbekenntnissen zum Trotz.
Das bedauerliche Ende der Avantgarde-Musikfestivals in Royan wie Metz jedenfalls war ein Lehrstück. In Russland und Italien wirkte immerhin der Antagonismus Moskau-Sankt Petersburg respektive Rom-Mailand der allzu starren Fixierung auf die Kapitale entgegen. Deutschland hat das Fehlen einer «richtigen» Hauptstadt, die produktive Rivalität von Residenzen und Freien Reichsstädten eine eminente kulturelle Vielfalt beschert.
Dass Prag Herzstück der Tschechischen Republik ist, steht außer Frage. Aber auch hier ist das Bild variantenreicher: Das Janácek Festival im mährischen Brünn hat traditionell Gewicht. Die andere mährische Großstadt, Ostrava, mit ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Gerhard R. Koch
2012 verabschiedete sich Cornelius Meister vom Theater Heidelberg, das ihm 2005 den ersten GMD-Posten beschert hatte. Zwar leitet er seit 2010 mit Festvertrag das ORF Radio-Symphonieorchester Wien. Doch opernmäßig ist er auf Tour. Überall hat man den 36-Jährigen schon eingeladen – natürlich an die Wiener Häuser, aber auch nach München, Zürich, Covent Garden, an die...
Ein Tisch steht auf der Bühne, darauf liegt ein Berg alter Kleidung. Tot die, die sie getragen haben: Den Mann und fünf Söhne hat die Irin Maurya an das Meer verloren, nur der sechste, Bartley, blieb ihr noch. Und der will heute, bei Sturm, hinausfahren. Unterdessen quält sich Königin Dido, weil sie Aeneas liebt und doch dem verstorbenen Gatten treu bleiben...
Mit dem Regienachwuchs tun sich Häuser manchmal schwer. Ein kleines Projekt auf der Probebühne, das Kinderstück im Foyer – kein Problem. Aber eine Inszenierung für die große Bühne? Das erscheint vielen Intendanten dann doch zu riskant. Zumal, wenn das Ergebnis für mehrere Spielzeiten halten soll. Andererseits ist das große Format der Normalfall im Opernalltag....
