Ewig jung

Sie war ein (Opern-)Kind ihrer Zeit: mild, sanft, leise – und immer liedhaft. Ein Nachruf auf die große Schweizer Sopranistin Edith Mathis

Opernwelt - Logo

Den «Herrlichsten von allen» hätte sie schon gern an ihrer Seite. Aber blinde Schwärmerei? Bedingungslose Hingabe? Vielleicht doch erst mal abwarten. Eine kleine, subtile Doppelbödigkeit klingt mit, wenn Edith Mathis dieses Lied von Robert Schumann gestaltet. Das ist kein singendes Ich, das sich sofort heranschmeißt oder die Realität vergisst. Auch weil später Großes, Dunkles geahnt wird. Der «Ring an meinem Finger»: Eine ganze Welt scheint plötzlich daran zu hängen.

Und der «erste Schmerz», der könnte auch der letzte sein, so todesweh lässt sie das finale Lied versickern – zumal ihr Christoph Eschenbach am Flügel dafür alle Zeit der Welt lässt.

«Frauenliebe und -leben» ist nicht nur eine der schönsten Aufnahmen von Edith Mathis, diese Einspielung hat Referenzcharakter. Schumanns Vieldeutigkeit, sein in unterschiedliche emotionale Richtungen strebendes Melos, die doppelbödige Introspektion, all das sieht sich hier mit entwaffnender Selbstverständlichkeit erfühlt und erfüllt. Vielleicht liegt gerade darin die hohe Kunst der Mathis: alles völlig natürlich klingen zu lassen, so, als könne es nur so sein und nicht anders. Viel Reflexion steckt in diesen Interpretationen, doch keine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2025
Rubrik: In Erinnerung, Seite 60
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Empfundene, Erlittenes, Erträumtes

Zweimal wird die Schiebetür im Hintergrund geöffnet. Die Aussicht: ganz famos. Ein Wald-Wiesen-Idyll – nur dass ein Absperrklebeband das Panorama teilt und Stacheldraht die Aussicht stört. Davor steht ein riesiger Metallstuhl. Der kann beklettert und umgekippt werden, ist Thron, Zimmerecke oder auch mal eine Art Gefängnis. Ganz reduzierte szenische Zeichen sind...

Personalien, Meldungen 4/25

JUBILARE

Sie ist der Beweis, dass es auch im Gesang Wunderkinder gibt: Anja Silja, die am 17. April ihren 85. Geburtstag feiert. Ausgebildet von ihrem Großvater gab sie mit 15 Jahren ihren ersten Liederabend, ein Jahr später debütierte sie in Braunschweig auf der Opernbühne. Nach drei weiteren Jahren, sie war neunzehn, sang sie an der Wiener Staatsoper unter Karl...

Tod auf dem Backstage-WC

Der Kontrast von elegischem Kolorit und einer den Sprung in die Moderne vollziehenden Burleske ist ähnlich reizvoll wie das klassische Doppel von Mascagnis «Cavalleria rusticana» mit Leoncavallos «Pagliacci». Durch die Kombination der «Cavalleria» mit dem 25 Jahre später entstandenen «Gianni Schicchi» wird das kriminologische Potenzial Italiens in Opernform weitaus...