Ewig jung
Den «Herrlichsten von allen» hätte sie schon gern an ihrer Seite. Aber blinde Schwärmerei? Bedingungslose Hingabe? Vielleicht doch erst mal abwarten. Eine kleine, subtile Doppelbödigkeit klingt mit, wenn Edith Mathis dieses Lied von Robert Schumann gestaltet. Das ist kein singendes Ich, das sich sofort heranschmeißt oder die Realität vergisst. Auch weil später Großes, Dunkles geahnt wird. Der «Ring an meinem Finger»: Eine ganze Welt scheint plötzlich daran zu hängen.
Und der «erste Schmerz», der könnte auch der letzte sein, so todesweh lässt sie das finale Lied versickern – zumal ihr Christoph Eschenbach am Flügel dafür alle Zeit der Welt lässt.
«Frauenliebe und -leben» ist nicht nur eine der schönsten Aufnahmen von Edith Mathis, diese Einspielung hat Referenzcharakter. Schumanns Vieldeutigkeit, sein in unterschiedliche emotionale Richtungen strebendes Melos, die doppelbödige Introspektion, all das sieht sich hier mit entwaffnender Selbstverständlichkeit erfühlt und erfüllt. Vielleicht liegt gerade darin die hohe Kunst der Mathis: alles völlig natürlich klingen zu lassen, so, als könne es nur so sein und nicht anders. Viel Reflexion steckt in diesen Interpretationen, doch keine ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: In Erinnerung, Seite 60
von Markus Thiel
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