Europäisches Format

Die Wiederentdeckung Agostino Steffanis schreitet fort: Kammerduette unter Aarón Zapico, «Amor vien dal destino» unter René Jacobs an der Berliner Staatsoper

Opernwelt - Logo

Das Kammerduett. Es war die Form, die ihm vielleicht am besten lag. Zwei Stimmen plus Cembalo, Laute(n) und Gambe – das reichte, um in so zuvor noch nicht gemischten Farben auszudrücken, was er in sich hörte. Agostino Steffani, 1654 im Veneto geboren, schöpfte vor allem aus Quellen des 17. Jahrhunderts, doch die fand er nicht nur in Italien, sondern auch in Frankreich und in deutschen Landen.

Als Priester, Diplomat und Musiker war er in Europa weit herumgekommen, hatte französische (Tanz-)Muster ebenso studiert wie die Kniffe des von Sachsen bis Hamburg und Lübeck geschätzten Kontrapunkts – und beides mit italienischen Modellen verschnitten. Dass Händel die (fast ausnahmslos vor 1702 entstandenen) Duetti da Camera des um 30 Jahre Älteren zum Anlass nahm, selber eine Reihe solcher Duette zu komponieren, hatte gewiss auch mit dem «europäischen» Klang dieser intimen Kantaten zu tun, mit dem gleichsam polyglotten Eklektizismus einer Musik, die in ihrer unorthodoxen Mischung historischer Paradigmen neue Horizonte aufzuzeigen schien.

Wenn man den sechs Kammerduetten von Steffani lauscht, die der Cembalist Aarón Zapico und sein Ensemble Forma Antiqua mit der Sopranistin Eugenia Boix und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Apropos... Zukunftsmusik

Herr Ott, Sie lassen alles machen: Volksmusik, Installationen, eine rätoromanische Lesung, Literaturopern und Projekte, die a priori zu beschreiben schwerfällt.
So kann man es zusammenfassen. Diese Vielfalt ist nicht Zufall, sie ist Absicht.

Unter Ihren Vorgängern Hans Werner Henze und Peter Ruzicka vertrat die Biennale einen Werkbegriff, suchte nach neuen,...

Wogender Schwung

Die Avantgarde bröckelt manchmal schneller, als man gucken kann. Valencias Opernhaus, dem Palau de les Arts Reina Sofía, musste keine zehn Jahre nach der Eröffnung 2005 eine neue Keramikhaut übergezogen werden – ob der Werkstoff dieses in Beton gegossenen architektonischen Hüftschwungs des Baumeisters Santiago Calatrava sich überhaupt eignet, wo Wind und...

Spiesserglück

Die Janácek-Renaissance geht weiter: Seine Opern erobern sich nach und nach den Platz, der ihnen im Repertoire gebührt, und das gilt nicht nur für «Jenufa». Auch kleinere Häuser mischen mit. Selbst vor einem lange als überkompliziert geltenden Stück wie «Die Ausflüge des Herrn Broucek» machen sie nicht mehr halt. Nun hat das Theater Trier sich an die verschachtelte...