Euridike, emanzipiert
Sieht man einmal von der «Hoffmann»-Oper ab, gehört Offenbach an deutschen Stadt- und Staatstheatern nicht unbedingt zum Kernrepertoire. Rundum geglückte Aufführungen seiner Operetten sind sogar äußerst rar. Nun hat das Haus in Darmstadt «Orpheus in der Unterwelt» herausgebracht – und man möchte fast von einer gelungenen Produktion sprechen. Die Ulk-Mythologie in ansehnlicher Gestalt, das ist ja schon was.
Die vor 150 Jahren gnadenlos kommerzielle Komponente des Offenbach’schen Musiktheaters scheint heute zum Musealen geadelt – sicher auch ein Handicap bei dem Versuch, den anarchistischen Biss seiner Stücke zu bewahren. Glückte das Jérôme Savary mit seinen taumelnd opulenten Bilder-Exzessen? Wird das in roh karnevalesken Neu-Adaptionen erreicht? Vielleicht kam die Offenbach-Essenz (einschließlich ihres musikalischen spiritus) nirgendwo besser zum Vorschein als in den einsamen Operetten-Rezitationen des genialen Vortragskünstlers Karl Kraus. Aber auch die waren natürlich zeitgebunden, sind unwiederholbar.
Die Darmstädter Regisseurin Cordula Däuper versuchte Synthesen (nicht Kompromisse) auf hohem Niveau. Sie verzichtete auf schrille Aktualisierungen, auch die deutsche ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Hans-Klaus Jungheinrich
Sucht man nach einer Art Gegenentwurf zu den vor allem in den Neunzigerjahren medial in Szene gesetzten Arena-Veranstaltungen der «Drei Tenöre», so dürfte man einen solchen, subtil ins Hausmusikalische gewendeten Kontrapunkt in der neuen Aufnahme mit Christoph und Julian Prégardien finden. Vater und Sohn gestalten, begleitet von dem stets inspirierten Pianisten...
Endlose Tonangeln mit einem Puschel am Schluss. Eine Personenrevue ohne durchlaufend-konsistente Handlung. Ein Opernballett-Zwitter vom Schablonenmeister des französischen Hochbarock. Kennt kein Mensch. Und doch brachten es die «Fêtes vénitiennes» des André Campra ab 1710 auf mehr als 300 Aufführungen, wobei das Werk zahllose Umarbeitungen erfuhr. Ein rauschender...
Robert Schumann meinte zum Finale von Chopins b-Moll-Sonate ratlos-lakonisch: «Musik ist das nicht.» Was aber ist es dann? Abgründig nennt sie Victor Hugo «das Geräusch, das denkt»: der Klang als autonomes Subjekt. Beethovens Credo «Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie» hat den metaphysischen Anspruch noch einmal übersteigert: Komponieren...
