Euridike, emanzipiert
Sieht man einmal von der «Hoffmann»-Oper ab, gehört Offenbach an deutschen Stadt- und Staatstheatern nicht unbedingt zum Kernrepertoire. Rundum geglückte Aufführungen seiner Operetten sind sogar äußerst rar. Nun hat das Haus in Darmstadt «Orpheus in der Unterwelt» herausgebracht – und man möchte fast von einer gelungenen Produktion sprechen. Die Ulk-Mythologie in ansehnlicher Gestalt, das ist ja schon was.
Die vor 150 Jahren gnadenlos kommerzielle Komponente des Offenbach’schen Musiktheaters scheint heute zum Musealen geadelt – sicher auch ein Handicap bei dem Versuch, den anarchistischen Biss seiner Stücke zu bewahren. Glückte das Jérôme Savary mit seinen taumelnd opulenten Bilder-Exzessen? Wird das in roh karnevalesken Neu-Adaptionen erreicht? Vielleicht kam die Offenbach-Essenz (einschließlich ihres musikalischen spiritus) nirgendwo besser zum Vorschein als in den einsamen Operetten-Rezitationen des genialen Vortragskünstlers Karl Kraus. Aber auch die waren natürlich zeitgebunden, sind unwiederholbar.
Die Darmstädter Regisseurin Cordula Däuper versuchte Synthesen (nicht Kompromisse) auf hohem Niveau. Sie verzichtete auf schrille Aktualisierungen, auch die deutsche ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Hans-Klaus Jungheinrich
Die Liebe? Sie steckt in einem Blick. Orpheus und Eurydike halten einander mit den Augen fest, während andere Wesen sie umkreisen, umtanzen. Schauen einander an, während sie immer näher zusammenrücken.
Verlust? Da ist das unsichtbare Band aus Schmerz, das gespannt wird, wenn sie am Boden verharren muss und er nach oben entschwindet. In einem Akrobatengeschirr hoch...
Zwei Stämme menschenfressender Indianer als Gleichnis für die Mächtigen seiner Zeit: Johann Nestroy ging nicht gerade subtil zu Werke, als er 1862 den «Häuptling Abendwind» auf die Wiener Bühnenbretter brachte, eine «indianische Faschingsburleske» mit Musik von Jacques Offenbach. Dass aus dem kleinen Singspiel gut 150 Jahre später eine Punkoperette werden würde,...
Wenn Opernkenner sich in den Pausen langer Wagner-Aufführungen unterhielten, kamen sie bisweilen auf Ernest Reyer zu sprechen. Der habe es nämlich gewagt, die Nibelungen-Sage ebenfalls zu vertonen. 1884, acht Jahre nach Wagners «Ring», sei das Werk in Brüssel uraufgeführt worden und in Frankreich bis zum Zweiten Weltkrieg recht erfolgreich gewesen, danach aber nur...
