Ironisch verrüscht
Endlose Tonangeln mit einem Puschel am Schluss. Eine Personenrevue ohne durchlaufend-konsistente Handlung. Ein Opernballett-Zwitter vom Schablonenmeister des französischen Hochbarock. Kennt kein Mensch. Und doch brachten es die «Fêtes vénitiennes» des André Campra ab 1710 auf mehr als 300 Aufführungen, wobei das Werk zahllose Umarbeitungen erfuhr. Ein rauschender Erfolg. Und dann ging’s ab in den Keller. Nur von einzelnen Arien und Instrumentalstücken existieren Aufnahmen.
An der Pariser Opéra Comique war die Zeit reif für einen Triumph in Gänze.
Zum 300-jährigen Bestehen des Hauses gönnt man sich, die Regel des Koproduzierens ohne eigenes Orchester zu den eigenen Gunsten auslegend, mit William Christie und Les Arts Florissants Gäste, deren Schliff selbst in den spezialisierten Gefilden der historischen Aufführungspraxis Spitze ist. Und mit Robert Carsen einen Regisseur, der es wie kaum einer versteht, Locken auf der Glatze zu drehen: Je schlechter die Stücke, desto besser seine Inszenierungen.
Carsens Aufführung, fast ganz in Rot getaucht, schickt eine Touristenhorde auf den Markusplatz und nimmt das zum Anlass eines Kostüm-Rollbacks, wie man’s prächtiger und lustiger lange nicht ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Im Foucs, Seite 12
von Kai Luehrs-Kaiser
Auf dem Weg ins Untergeschoss des Schweizerischen Verkehrsmuseums durchquert man eine Halle, die voller ausrangierter Flugzeuge hängt, Einmotorer, fliegender Kisten aus der Pionierzeit der Luftfahrt. Durch diese Szenerie erwartungsvoll eingestimmt, nimmt man auf einer der beiden Seitentribünen Platz, die die langgestreckte Spielfläche flankieren. Am Kopfende ein...
Gewünscht hat sich Richard Strauss für die Uraufführung seiner «Vier letzten Lieder» die Sopranistin Kirsten Flagstad. Er wird an deren Glanzzeit gedacht haben. Als die Lieder in London uraufgeführt wurden, war Strauss tot und die Flagstad längst über ihrem Zenit. In Berlin musste sie, wenig später, sogar das erste, höchste weglassen. Plattenaufnahmen von Elisabeth...
Die festliche Gala, die das Bolschoi-Theater im vergangenen Oktober zu Elena Obraszowas (offiziellem) 75. Geburtstag ausrichtete, ließ in ihrem Prunk an zaristische Zeiten denken. Alle bedeutenden russischen Sänger von Maria Guleghina bis Anna Netrebko gaben sich die Ehre, Plácido Domingo wurde mit einer Video-Botschaft zugeschaltet, und die Jubilarin selbst...
