Es werde Licht
Eine «ungewöhnliche Entdeckungsreise», die nach einer neuen Antwort auf die alte Frage sucht, was Musik eigentlich sei, ob sie sich selbst zum Gegenstand werden kann, also jenseits ihrer technischen Analyse wie ihrer emotionalen Wirkung einen «verborgenen Sinn» besitzt, den sie uns mitteilen will, verspricht Laurenz Lütteken den Lesern seines jüngsten, der Komponistin Isabel Mundry gewidmeten Buches.
Sowohl die Titelmetapher als auch das Begriffspaar von Verhüllung und Enthüllung entnimmt er Hans Blumenbergs eminenter Studie «Die Legitimität der Neuzeit», die dort zentrale Kategorien des Epochenumbruchs vom Mittelalter zur Neuzeit um 1600 bezeichnen.
Bei dieser Entzifferung, das bekunden schon die beiden ältesten Beispiele, Monteverdis «Combattimento di Tancredi e Clorinda» (1624) und Gregorio Allegris «Miserere» (1638), geht es dem Autor keineswegs um eine Motivgeschichte in Analogien und Korrespondenzen. Sondern um die Signifikanz des jeweiligen Werks. Während bei Monteverdi das «Verhüllen und Enthüllen» als Chiffre für die vollkommen neue Form eines «vorgeführten» Theaters dient, ist das Verlöschen des Lichts in der Karmette bei gleichzeitiger Enthüllung des Klangs in Allegris ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2022
Rubrik: BUCH des Monats, Seite 35
von Uwe Schweikert
Über die Frage, was der Mensch sei, haben sich Legionen von Dichtern und Denkern das Hirn zerdrückt. Immerhin eines aber konnte konstatiert werden: Die Krone der Schöpfung ist der homo sapiens sapiens, wie es wissenschaftlich korrekt heißt, vermutlich eher nicht. Auch kein Schwein, wie der (charakterlich zweifelhafte, lyrisch große) Gottfried Benn vermutete....
Nun hat die Deutsche Oper am Rhein ihren «Ring» auch auf CD vollendet. Die überregional vielbeachtete, 2017 in Düsseldorf begonnene Inszenierung Dietrich Hilsdorfs kam unter Leitung von GMD Axel Kober in Düsseldorf mit den dortigen Symphonikern, in Duisburg mit den ortsansässigen Philharmonikern sowie in teilweise unterschiedlichen Besetzungen heraus. Dort sollte...
Bei seiner Premiere am 8. Dezember 1718 an der Pariser Académie royale de musique fiel das Werk durch. André Cardinal Destouches’ «Sémiramis» wurde nach nur einem Monat abgesetzt – und erst dreihundert Jahre später beim Festival d’Ambronay erneut aufgeführt. Die Oper über die sagenhafte babylonische Königin scheint das Pariser Publikum, dessen Geschmack damals mehr...
