Es war einmal ...
Auf der Milchstraße, nachts um halb eins, kann man ihn sehen. Jedoch nicht in Reinkultur erscheint der stolze Schwan dort droben. Sondern als Sternbild im Sommerhimmel. Jeder Irrtum ist ausgeschlossen: Seine Linien sind, so man das richtige Teleskop zur Verfügung hat, klar erkennbar. Elsa von Brabant und ihr liebend-geliebter (von einer ebenso wie er in unschuldiges Weiß gewandeten Gruppe junger Menschen umgebener) Bruder Gottfried benötigen derlei technische Hilfe eigentlich gar nicht, um sich verzaubern zu lassen. Der Schwan ist auch so deutlich genug zu sehen.
Und auch als symbolisches «Sternzeichen» passt das sehr gut zu den ätherischen A-Dur-Klängen des Vorspiels, die bei GMD Aziz Shokhakimov und seinem Orchestre philharmonique de Strasbourg selbst in den geteilten Violinen allerdings nicht gar so ätherisch klingen. «Bloß kein falsches Pathos!», scheint die Devise dieses so sportiv agierenden wie kurzatmig denkenden Dirigenten zu sein, an die er sich auch in den kommenden viereinviertel Stunden fast sklavisch halten wird.
Da ist nur ein kleines Problem: Shokhakimovs Musizierhaltung steht letztlich diametral zu den Intentionen des Regisseurs. Florent Siaud will partout die ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Jürgen Otten
Un minuto … sii breve», eine Minute und keine Sekunde mehr gewährt der scharfe Sheriff seinem Liebeskontrahenten, dessen Ende längst beschlossen, das Grab tief genug geschaufelt ist. Und was macht Dick Johnson aus Sacramento, der eigentlich Ramerrez heißt und seinen Lebens -unterhalt für gewöhnlich damit verdient, andere Menschen auszurauben? Er stimmt, in der für...
Die Musik Lateinamerikas ist seit der Ankunft der europäischen Eroberer ein Schmelztiegel unterschiedlichster Einflüsse. Der postkoloniale Diskurs versteht Kulturtransfer dabei überwiegend als «kulturelle Aneignung». Diese Kritik an als dominant bezeichneten Kulturen, die sich kulturelle Errungenschaften von Minderheiten aneignen, verweist auf den unbestreitbaren...
Wenn sie sich dazu entschieden haben, mich zu töten, heißt das, dass wir unglaublich stark sind.» Letzte Worte, aufgenommen vor dem nicht angekündigten, aber doch erwartbaren Tod. Und es ist keine bemüht aktualisierende Regie-Idee – der tragische Fall Alexej Nawalny spukt ohnehin durch diese Aufführung. Also soll dem gerade Ermordeten per Lautsprecher-Zitat auch...
