Zauber der Verwandlung
Verträgt sich die Perspektive der musikalischen Romantik auf Meisterwerke der Vergangenheit mit dem Zugriff der Historischen Aufführungspraxis? Mendelssohns Bach-Bild in seiner Rekonstruktion der «Matthäus-Passion» oder Mahlers Retuschen von Beethovens neunter Symphonie scheinen aus heutiger Sicht doch eher Verschlimmbesserungen gewesen zu sein, die weit mehr über die musikalische Weltsicht der Nachschöpfer enthüllen als über den genuinen Geist der Schöpfer.
Um Originalität im Sinne von Authentizität oder musikalischer Werktreue ging es da jedenfalls weit weniger als den heutigen Apologeten der Alten Musik, die mit historischen Instrumenten und skrupulösem Quellenstudium nach den Wurzeln vergangener Musizierideale suchen.
Als sich allerdings der romantische Klangfarbenzauberer Hector Berlioz seinem frühklassischen Kollegen Christoph Willibald Gluck in seiner Fassung von dessen «Orphée et Eurydice» annäherte, entstand etwas ganz anderes – ein erfrischendes Bild des Meisters der Reformoper, das mit den gängigen Vorurteilen beherzt aufräumt. Glaubt man Letzteren, herrscht bei Gluck nichts als «edle Einfalt, stille Größe». Danach beruhigte er all die barocken Auswüchse von üppig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Peter Krause
Man liest es und staunt. «Österreichische Erstaufführung». 90 Jahre hat es gedauert, bis man in jenem Land, das sich die Nazis 1938 per «Anschluss» einverleibten und aus dessen Reihen immerhin jener Dämon stammte, der für den Tod von mehr als 60 Millionen Menschen verantwortlich zeichnet, auf die Idee kam, ein Musiktheater zu programmieren, das zwei Jahre nach der...
Schön soll sie gewesen sein. Viel mehr Positives findet sich in den «Annalen» des römischen Geschichtsschreibers Tacitus nicht über Poppaea, jene Frau, in die der römische Kaiser Nero so verliebt war, dass er dafür sowohl seine Mutter als auch die ins Exil entwichene Ehefrau ermorden ließ. Dass Claudio Monteverdi ausgerechnet diesem grausamen Paar eines der...
Unermüdlich wirkt der Geist, der forscht. 92 Jahre alt ist Alexander Kluge, einer der maßgeblichen Intellektuellen dieses Landes, im Februar geworden und nach wie vor mit einer Wachheit gesegnet, die sich viele jüngere (und wokere) Teilnehmer an gesellschaftspolitisch-künstlerischen Diskursen vermutlich wünschen würden. Jüngster Beleg ist ein gemeinsam mit Sonja...
