Es gibt kein Entrinnen
Niemand wird bei einer «Jenufa»-Produktion ernstlich die klappernde Mühle am rauschenden Bach erwarten, obwohl sie bei den recht zahlreichen Inszenierungen der jüngsten Zeit immer mal wieder vorkam. Auch in Mannheim wird sie zitiert – aber dann gleich vervielfacht: Achtzehn kleine Mühlsteine, im Kreisrund aufgebaut wie ein Gralstempel für «Parsifal», sind die Mitgift der Küsterin an ihre Ziehtochter Jenufa. Nur ein Beispiel für detailreiche Interpretation, die Hausherrin Regula Gerber bei ihrer ersten Opernregie in ihrer dritten Spielzeit am Nationaltheater vorlegt.
Die späte Feuertaufe als Regisseurin am eigenen Haus ist gelungen: Was sich Gerber hat einfallen lassen, ist weit entfernt vom
Effektzauber eines Calixto Bieito in Stuttgart – hat aber in seiner Konzentration Hand und Fuß.
Ihre Mühle könnte ein Atombunker sein oder irgendeine Fabrik, vom Zimmer der Küsterin ist auch nur ein Raumfragment übrig, bevor sich der Schlussakt zur beschriebenen Gralsweite öffnet. Darin sind die Figuren so scharf gezeichnet wie Lacas Messer, das Jenufas Wange zerschneidet. Dieser Laca ist bei Uwe Eikötter in besten Händen: Vokal unangefochten vermittelt er eindringlich das Schicksal des immer zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wozzecks Welt ist eine Scheibe. Fällt er von ihrem Rand, was ihm im Verlauf des Abends ein paar Mal passiert, fällt er ins abgründige Universum seiner wirren Fantasie. Martin Winkler spielt und singt das mit wilder, weher Leidenschaft und großer, fülliger Stimme; ein grob gewobener, doch gutmütiger Kerl, dem die Mitwelt so übel zusetzt, dass er sich zuletzt an dem...
Vor etwas mehr als drei Jahrzehnten brachte David Cronenberg den Film «The Fly» heraus. Darin entwickelt der ehrgeizige Biochemiker Dr. Brundle die Technik der «Teleportation». Vermittels dieser werden komplexe Substanzen, später auch Lebewesen atomisiert, die Elementarteilchen per Funk verschickt und am Zielort wieder zusammengesetzt. Brundle, der näher mit einer...
Für einmal macht Triquet keine graziösen Faxen, sondern stürmt und drängt, führt quasi die Leiden des jungen Werther vor. Am Schluss seiner Couplets schenkt er Tatjana, die er offenbar tief verehrt, eine dunkle Blume – jene Blume des Abschieds vielleicht, von der Rilke sagt, sie blühe irgendwo und streue «immerfort Blütenstaub, den wir atmen, herüber; auch noch im...
