Es gibt kein Entrinnen

Mannheim, Janácek: Jenufa

Opernwelt - Logo

Niemand wird bei einer «Jenufa»-Produktion ernstlich die klappernde Mühle am rauschenden Bach erwarten, obwohl sie bei den recht zahlreichen Inszenierungen der jüngsten Zeit immer mal wieder vorkam. Auch in Mannheim wird sie zitiert – aber dann gleich vervielfacht: Achtzehn kleine Mühlsteine, im Kreisrund aufgebaut wie ein Gralstempel für «Parsifal», sind die Mitgift der Küsterin an ihre Ziehtochter Jenufa. Nur ein Beispiel für detailreiche Interpretation, die Hausherrin Regula Gerber bei ihrer ersten Opernregie in ihrer dritten Spielzeit am Nationaltheater vorlegt.

Die späte Feuertaufe als Regisseurin am eigenen Haus ist gelungen: Was sich Gerber hat einfallen lassen, ist weit entfernt vom
Effektzauber eines Calixto Bieito in Stuttgart – hat aber in seiner Konzentration Hand und Fuß.
Ihre Mühle könnte ein Atombunker sein oder irgendeine Fabrik, vom Zimmer der Küsterin ist auch nur ein Raumfragment übrig, bevor sich der Schlussakt zur beschriebenen Gralsweite öffnet. Darin sind die Figuren so scharf gezeichnet wie Lacas Messer, das Jenufas Wange zerschneidet. Dieser Laca ist bei Uwe Eikötter in besten Händen: Vokal unangefochten vermittelt er eindringlich das Schicksal des immer zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2008
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Claus Ambrosius

Vergriffen
Weitere Beiträge
Markenzeichen Wagner

Wagner, der alte Verführer und Menschenfänger. Ungebrochen entfaltet er seine Wirkung. Mit dem Rausch seiner megalomanen Dramen. Mit der Droge seiner unendlichen Melodien. Mit dem schaurig-schönen Appeal seiner voll­tönenden Apokalypsen. Das Gespenst seines Genies geht um, wo immer Oper und Musiktheater gemacht wird. Und das seit mehr als hundert Jahren. Bayreuth...

Menschliches Maß

Dieser Gott ist ein gewiefter Politiker. «Schon erfleht die schmachtende Erde mit tausend und abertausend Mündern fiebernd Hilfe von oben. (…) Verwelkt und entlaubt leben kaum noch die Wälder. / Nun ist es an uns, denen Schutz und Schirm der Welt obliegen, den Schaden gutzumachen und die Natur zu entschädigen», spricht Jupiter, sobald er den glühend heißen Erdboden...

Aus den Fugen

Schon mit dem Bühnenerstling «Adolf Wölfi» steuerte Georg Friedrich Haas 1981 auf das Spannungsfeld von Genie und Wahn zu. Auch «Nacht», die zweite Kammeroper des 1953 in Graz geborenen Komponisten, befasste sich in den neunziger Jahren anhand von Textfragmenten Hölderlins mit dem Thema «Umnachtung». Nach einem Exkurs zu Poe und Kafka, deren Texte gleichfalls eher...