Erschöpfend

Korngold: Violanta
TURIN | TEATRO REGIO

Erich Wolfgang Korngold war 18 Jahre alt, als er mit «Violanta» seine erste ernste Oper abschloss, die 1916 in dichtem Abstand in München und Wien zu ihren ersten Aufführungen kam. Das vielleicht Verblüffendste an einer leider immer noch selten möglichen Begegnung mit dem Werk ist, dass man ihm das überhaupt nicht anmerkt. Dabei gibt es im Text wie in der Musik viele fast überdeutliche Anleihen vor allem beim für die Spätromantiker unüberwindbaren Richard Wagner sowie beim frühen Richard Strauss.

Aber der junge Komponist amalgamiert sie in diesem Einakter dramaturgisch, atmosphärisch und instrumentatorisch mit einem derart sicheren Formsinn, dass «Violanta» vollgültig neben Werken wie der «Florentinischen Tragödie» des Korngold-Lehrers Alexander von Zemlinsky (1917) oder Franz Schrekers «Gezeichneten» (1918) steht. Ähnlich wie diese Stücke projiziert das Libretto von Hans Müller – es spielt im Venedig des 16. Jahrhunderts – eine letztlich tödliche Mischung aus erotischem Begehren und Grausamkeit auf die italienische Renaissance.

Dass sich darin die Epochenstimmung des Ersten Weltkriegs niederschlägt, lässt Regisseur und Ausstatter Pier Luigi Pizzi bei der italienischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
Im Bann der Affekte

Die 1705 in Hamburg uraufgeführte «Almira» ist Händels einzige überlieferte deutschsprachige Oper, drei weitere sind verloren. Das stark dem Vorbild des vernachlässigten Reinhard Keiser verpflichtete Erstlingswerk des 19-Jährigen folgt ganz dem kosmopolitischen Stil der norddeutschen Barockoper. In bunter Folge reihen sich gereimte deutsche Rezitative und liedhaft...

Auf der Achterbahn

Über seine wahre Herkunft lässt der rätselhafte Gralsritter Lohengrin das staunende Bühnenvolk wissen: « ... ein lichter Tempel stehet dort inmitten ...». Ein ganz anderes Erstaunen kennt der Opernbesucher in Chemnitz: Lohengrins Tempel, darf man fantasieren, wäre im Grunde genau hier zu verorten, an dem bei anbrechender Dunkelheit schimmernd bestrahlten Haus auf...

Maximal inspiriert

Szenenanweisungen von Opernlibretti stehen bei Regieteams des 21. Jahrhunderts selten hoch im Kurs. Sie scheinen die interpretatorische Freiheit, die zu zeitgemäßen Sichtweisen führt, eher einzuschränken. Doch sie können auch beflügeln. Und wie. Nicola Hümpel und ihr kongenialer Bühnenbildner Oliver Proske beweisen es an der Staatsoper Hannover auf beglückende...