Endlosschleife
E. M. – hinter den mysteriösen Initialen verbirgt sich nicht nur der Name einer gefeierten Operndiva, sondern zugleich auch der Wirklichkeit gewordene Menschheitstraum von ewiger Jugend – freilich zum Preis eines halt- und ziellosen Lebens. Denn Emilia Marty, die Leoš Janáček in seiner vorletzten, 1926 uraufgeführten Oper «Věc Makropulos» («Die Sache Makropulos») in den Mittelpunkt rückt, ist eine tragische Figur.
Nach unfreiwilliger Verabreichung eines lebensverlängernden Elixiers dazu bestimmt, durch die Jahrhunderte zu wandeln, wird sie zur Strippenzieherin eines aberwitzigen Erbschaftsstreits. Vordergründig eine schwarzhumorige Kriminalkomödie, angesiedelt im Prag der Zwischenkriegszeit, machte Janáček aus der «utopistischen Fabel» seines Landsmannes Karel Čapek eine vielschichtige Parabel über das menschliche Dasein als Kreislauf von Werden und Vergehen.
Für deren Ausdeutung bedient sich Regisseur Jakob Peters-Messer in seiner Inszenierung am Anhaltischen Theater Dessau einer klug zurückgenommen Bildsprache. Der Bühne als ruinösem Theaterraum ist der Wechsel der Zeitläufte eingeschrieben, die anachronistischen Kostüme heben diesen wieder auf, helfen aber, das personenreiche ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Werner Kopfmüller
Der Mensch macht Ordnung, schon im Kindesalter ‒ das ist dem Berliner Videokünstler Konrad Kästner aufgegangen, als er seinem Sohn beim Spielen mit Bauklötzen zusah. Was aber macht die Ordnung mit dem Menschen? Das wollte Kästner spielerisch-szenisch herausfinden und erfand zusammen mit dem Musiker Marc Sinan und der Ausstatterin Eylien König ein Setting, das dem...
Ein brillanter Einfall: Um zu verdeutlichen, dass Wolfgang Rihms Kammeroper «Jakob Lenz» die schonungslose Offenlegung einer wahnumwölkten Seele thematisiert, deren fast klinisch anmutende Sektion, hat sich Regisseur Marco Štorman für seine Bremer Inszenierung von der Bühnenbildnerin Jil Bertermann ein sogenanntes anatomisches Theater bauen lassen, wie man es...
Ich habe geweint ... und das nicht nur einmal, bei den bewegenden Memoiren von Brigitte Fassbaender. Der Titel hat recht: «Komm’ aus dem Staunen nicht heraus.» Ein Zitat aus dem «Rosenkavalier», mit dem sie als Mezzosopran international berühmt wurde, in ihrer Glanzrolle als Octavian.
Staunen! Auch darüber, dass sie ihre Autobiografie selbst verfasst hat, ohne...
