Dekonstruktion des Titans

Beethoven-Bücher von Hans-Joachim Hinrichsen, Otto Brusatti und Albrecht Selge sowie eine überarbeitete Neuausgabe der Biografie von Jan Caeyers

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Die quasi religiöse Beethoven-Verehrung vergangener Zeiten scheint nicht mehr en vogue, selbst in diesem Jubiläumsjahr. Bereits vor 20 Jahren stellte die FAZ im Zusammenhang mit einer Neuedition von Beethovens Briefwechsel fest, dass der «Klassiker-Kanon an normativem Druck verloren» habe, und damit auch jene «Einschüchterung durch Klassizität», gegen die Brecht angegangen sei.

So wird der Komponist nicht nur beim Googeln des Epithetons «Titan» von Bayern Münchens ehemaligem Torwart Oliver Kahn von der ersten Stelle verdrängt, er sieht sich auch in vielen Publikationen kaum mehr titanenhaft dargestellt, sondern als überaus verletzlicher, im doppelten Sinne «un-ordentlicher» Mensch. Um es im Stil des Boulevard zu formulieren: Es scheint durchaus angesagt, an den Sockel des Beethoven-Denkmals zu pinkeln. Das schließt Hinweise auf die Trunksucht und hygienische Verwahrlosung des Komponisten (der ungeleerte Nachttopf unter dem Klavier!), auch Vermutungen über seine Homosexualität ein.

Sehr unterschiedlich gehen die hier besprochenen vier Publikationen mit dem Jubilar um, wobei die Bandbreite vom fundiert Musikwissenschaftlichen über die feuilletonistisch aufbereitete Biografie und ...

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Opernwelt März 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Gerhard Persché

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