Die goldene Mitte

Giessen, Mercadante: Il giuramento

Opernwelt - Logo

Eines haben viele Ausgrabungen fernab des Repertoires gemeinsam: Bei aller Freude über bislang selten gehörte Werke ist man schnell mit der Begründung bei der Hand, warum sich diese oder jene Oper doch nicht auf den Spielplänen gehalten hat.

Auch bei den zahlreichen Werken, die Saverio Mercadante (1795-1870) vertonte, urteilt man schnell: Nicht nur zeitlich lag er genau zwischen Rossini und Verdi, sondern auch stilistisch hängt er zwischen den beiden Polen – also nur ein Lückenbüßer? Nach seiner Oper «Il giuramento» von 1837 zu urteilen, die jetzt in Gießen nach fünfundzwanzig Jahren Pause wieder in einem Theater zu sehen ist, fand Mercadante mit den Opern seiner Blütezeit eher eine goldene Mitte: Hinreißender Melos wie in den schönsten Eingebungen Bellinis und Donizettis, aber auch schon eine formale Strenge – wie der Verzicht auf die zuvor obligatorische Caba­letta für die meis­ten Arien – machen aus seinem «Schwur» einen aufregenden Theaterabend für heutige Zuhörer. Dass das Stück nicht häufiger zu sehen ist, könnte trotzdem zwei gute Gründe haben: Nach derselben Stoffvorlage, dem Drama «Angelo, Tyran de Padua» von Victor Hugo, entstand Ponchiellis ungleich erfolgreichere Oper ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2006
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Claus Ambrosius

Vergriffen
Weitere Beiträge
Klischees, Klamauk und nichts weiter

Um das designergestylte Programmheft zu paraphrasieren: Ein Mord ist geschehen. Täter: Mann, 46 Jahre alt. Opfer: Bizets «Carmen». Grund: «Ich wollte sie nicht einfach umbringen; ich wollte ihre Schönheit zerstö­ren.» Sebastian Nübling hat bei seinem Operndebüt gleich mehrfach zu den zähesten Klischees des Regie­theaters gegriffen. Also zeigt schon der Anfang in...

Verdi: Otello

Auf riesiger, dreiteilig den ganzen Bühnenraum begrenzender Foto-Tapete ist im Augsburger «Otello» ein brausendes Meer gemalt (Bühne und Kostüme: Markus Meyer). So spiegelt die stets gegenwärtige Brandung zeichenhaft die immer aufgewühltere Seele Otellos, dem man Eifersucht beharrlich in die Ohren träufelt. Wie Anthony Pilavachi schon den von Wind und Wetter...

«Griselda» als Gesamtkunstwerk

Langes Drumherumreden nützt in diesem Fall nichts: Diese Einspielung von Vivaldis «Griselda» ist eine der brillantesten Opernaufnahmen seit langem. Eine Produktion, die den Hörer keine Sekunde lang entspannen lässt, die ihn vom Sessel aufscheucht und auf eine harte Stuhlkante zwingt; nur so wird er mitbekommen, was hier an musikalischer Dramatik, Spannung und...