Er hatte alles
Das Lob stammt aus höchst berufenem Munde: «Ich hatte viele wunderbare Kollegen, die mich faszinierten. Da waren die mit den großartigen Stimmen, oder die feinen Musiker, oder die wunderbaren Schauspieler, oder die großen Persönlichkeiten. Aber George London – er hatte Alles.» Damit meinte die große Birgit Nilsson nicht nur Londons mächtige, bassig grundierte, in der hohen Lage bis zum F ausladende, sondern insbesondere seine auratische Stimme, an die das Label Orfeo jetzt zum zweiten Mal erinnert: durch ein bereits im Jahre 2000 veröffentlichtes Recital.
Im Mittelpunkt stehen zwei große Szenen, die London im Oktober 1953 mit Astrid Varnay unter Hermann Weigert, dem Ehemann der Sängerin, für den Bayerischen Rundfunk aufgenommen hat. Es war keine harmonische Koppelung für das Duett zwischen Aida und Amonasro: zwischen dem herben, scharfen Ton und den flach klingenden Vokalen Varnays und dem gerundeten Klang Londons: zornbebend bei der Invektive gegen die «Sklavin der Pharaonen», mit strömender Fülle in der «Pensa che un popolo vinto»-Phrase. Der herbe Reiz ihres oft scharfen Soprans kommt im Brünnhilde-Wotan-Dialog («War es so schmählich») besser zur Geltung; Garant des ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 33
von Jürgen Kesting
Die Revolution in Frankreich 1789 war auch eine der Oper. Erstmals wurden politische Tagesereignisse auf die Bühne gebracht, ohne mythologische oder komödiantische Verkleidung. Die zwischen 1792 und 1794 entstandenen Revolutionsopern von Grétry, Gossec und Méhul dienten unverhohlen der republikanischen Propaganda, die allerdings schon bald unter Napoleon nicht mehr...
Eigentlich hatte das Jahr gut angefangen für George Frideric Handel, wie ihn die Londoner nannten. Die Uraufführung seiner Oper «Orlando» Ende Januar war ein veritabler Erfolg gewesen, auch das im März aus dem Taufbecken gehobene Oratorium «Deborah» hatte das kritische Publikum wohlwollend aufgenommen. Doch kaum wagten sich die ersten Frühlingsstrahlen auf die...
Hoch über dem Tal ragen die baumbewachsenen Sandsteinfelsen der Bastei in den Abendhimmel, unten überwuchert sattgrünes Moos das Gestein, und mittendrin: Theater. Vielleicht treffen nirgendwo in Deutschland Natur und Kunst so nahezu plakativ schön aufeinander wie in der Felsenbühne Rathen.
Angelegt in den 1920er-Jahren und nach dem Zweiten Weltkrieg Ort der...
