Grandiose Griechen-Gaudi
Wer als Jugendlicher begeistert Ernst Kreneks «Jonny spielt auf» in einer Aufführung oder als Videomitschnitt erlebt hat, der spürt vielleicht noch die damalige Enttäuschung, die im Zeichen der Hörrezeption des Nachfolgebühnenwerks des österreichischen Großtalents auf ihn einprasselte: «Der Diktator» (1926), unmittelbar nach dem «Jonny» entstanden, klingt spröde, träge; auch die Dramaturgie des Werkes haut einen nicht gerade gegen die Wand etwaiger Sujet-Versprechungen.
Fast geht man also etwas skeptisch ins Theater Münster, um der Premiere eines so gut wie nie gegebenen Stückes – eines damaligen Hits, freilich uraufgeführt von Gustav Brecher in Leipzig – von Krenek beizuwohnen. Die Skepsis jedoch erweist sich schon nach wenigen Momenten wie (von Jonnys Saxophon, das ja eigentlich eine Geige sein müsste) weggeblasen. Kreneks «Leben des Orest» – in Münster nun als früher Favorit in Sachen «Wiederentdeckung des Jahres» ausgebuddelt – ist ein Meisterwerk. Lustig, dramatisch, raffiniert – und musikalisch jauchzend originell! Ja, der «Orest» schließt direkt an den Spirit, an die verjazzte Bes(ch)wingheit von «Jonny spielt auf» an. Nur, dass die Story noch viel unvorhersehbarer ist.
Kö ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Arno Lücker
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