Aus der Zeit gefallen
Zweimal Aufstieg und Fall eines Straßenmädchens, eines «leichten», wie man so sagt. Zwei französische Vorlagen. Zwei deutsche Opern. Zwei Komponisten derselben Generation. Zwei Ausgrabungen, die jetzt zu Recht auf CD erscheinen. Die Frage nach der sogenannten Repertoiretauglichkeit ist müßig und kann gleich mit Nein beantwortet werden.
Weder Waltershausens «Oberst Chabert» – zentral in der Reihe vergessener Stücke, die Kisten Harms an der Deutschen Oper Berlin angesetzt hat – noch Gurlitts «Nana», die (ebenfalls 2010) in Erfurt ihre erst dritte Premiere erlebte, werden jemals zum Alltag unserer Spielpläne gehören. Dennoch war es wichtig, beide Stücke auf die Bühne zu holen und durch Live-Mitschnitte zu dokumentieren.
Wen wundert’s, dass «Oberst Chabert» einmal ein Reißer war und zwischen der Uraufführung 1912 und 1933 über hundert (!) Inszenierungen erlebte? Die Oper ist relativ leicht zu besetzen (keine wirklich dramatische Stimme, kein Chor), sie handelt mit Kitsch, Pathos, Raffinesse und tiefem Ernst gleichermaßen. Und sie lebt von einem Sujet, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf offene Ohren stoßen musste: Ein Oberst der (hier: napoleonischen) Armee wird nach der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Seite 50
von Stephan Mösch
Den eindrucksvollsten special effect seines ganzen Opernschaffens konnte Gaetano Donizetti nie hören: Weil der für die Uraufführung seiner «Lucia» verpflichtete Glasharmonika-Spieler sich kurz vor der Premiere mit der Theaterleitung überworfen hatte, musste der Komponist die Begleitung der Wahnsinnsszene kurzfristig für Flöte umschreiben. Der weltweite Erfolg des...
Große Namen müssen noch nicht zum Erfolg führen. Das sieht man bei zusammengekauften Fußballmannschaften genauso wie bei prominent besetzten Opernensembles. Es kann aber auch sein, dass sich Qualität im Ensemble potenziert, dass sich Stimmen dem Gesamtklang fügen, ohne dabei an Individualität zu verlieren. Der konzertant gegebene «Don Giovanni», mit dem das...
Gottfried von Einems 1947 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführte Oper «Dantons Tod» war einer der großen Musiktheatererfolge der unmittelbaren Nachkriegszeit. Dabei war es weniger die politische Stoßrichtung von Büchners Revolutionsdrama über die Jakobinerdiktatur als die erhoffte Bühnenwirksamkeit, die Einem und seinen Librettisten Boris Blacher zu dem Sujet...
