Entwurzelt
Zweimal im Jahr zeigt Potsdam, das kein eigenes Opernhaus hat, dem großen Nachbarn Berlin, dass auch hier spannendes Musiktheater möglich ist: im Sommer, während der Musikfestspiele Sanssouci, und bei der jährlichen Winteroper. Da diese wegen Sanierung seit einigen Jahren nicht im angestammten barocken Schlosstheater im Neuen Palais stattfinden kann, spielt man auf der anderen, stadtnahen Seite des Parks, in der Friedenskirche. Die spirituelle Umgebung legt geistliche Stoffe nahe, wegen der beschränkten Platzverhältnisse ohne Bühne bieten sich szenische Oratorien an.
Dieses Mal: «Elias» von Felix Mendelssohn Bartholdy, geschrieben fürs chorvernarrte englische Publikum, konzipiert für Hunderte Mitwirkende.
In Potsdam sind es nur ein paar Dutzend, genauer: sechs Solisten und 24 Choristen. Resultat ist eine fast kammermusikalische Transparenz und Durchhörbarkeit des Klangbilds, dem es aber trotzdem nicht an alttestamentarischer Eindringlichkeit fehlt. Dirigent Titus Engel legt sich ins Zeug, auch körperlich: Da die Kammerakademie Potsdam am einen Ende des Kirchenschiffs spielt, der Chor aber am anderen agiert, hat er alle Hände voll zu tun, damit nichts auseinanderläuft, erklimmt ...
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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Udo Badelt
JUBILARE
Der russische Bass Jewgenij J. Nesterenko kam in Moskau zur Welt und absolvierte seine Gesangsausbildung bei Vasily Lukanin in Leningrad, wo er 1963 an der Maly-Oper als Gremin in Tschaikowskys «Eugen Onegin» debütierte. Mit dem Gewinn des internationalen Tschaikowsky-Wettbewerbs 1970 begann seine langjährige Karriere. Der Sänger wurde ein Jahr später ans...
Vorsichtig, etwas wackelig schritt er auf die Bühne, der Gleichgewichtssinn machte nicht mehr richtig mit. Doch getragen wurde er, der so breit ins Auditorium lächelte, von einem Tsunami der Sympathie. Ohrenbetäubender, auch ungläubiger Jubel, Standing Ovations – ein letztes Mal kehrte Dmitri Hvorostovsky im Mai dieses Jahres zurück. Alle Kraft nahm er zusammen, um...
Weniger ist für ihn mehr. Das hat Regisseur Ingo Kerkhof in Hannover mehrfach bewiesen. Zusammen mit seiner Bühnenbildnerin Anne Neuser holte er hier «Eugen Onegin» aus dem Russlandbilderbuch, stellte den «Figaro» in einen Theaterprobenraum und spiegelte bei «Ariadne auf Naxos» diese Spiel-im-Spielweise nochmals.
Dass es jetzt für «Salome» weder Palast noch...
