Alte Zeiten: Gabriella Létay Kiss (Valentine) und Gergely Boncsér (Raoul); Foto: Hungarian State Opera/Valter Berecz
Erbarmungslos
Es sollte ein Festakt zum 500-Jahre-Jubiläum der Reformation in Budapest werden. Es wurde eine (von den um einen Kollektivvertrag streikenden Hausgewerkschaften um ein Haar verhinderte) Premiere der Ungarischen Staatsoper. Dass der Vorhang überhaupt hochging, verdankt sich allein Szilveszter Ókovács, dessen Direktorenvertrag soeben um fünf Jahre verlängert wurde.
Er wandte die Zuckerbrot-und-Peitsche-Taktik seines Vorbildes und Förderers, Ministerpräsident Viktor Orbán, an: Im gleichen Atemzug mit der Drohung, das Ensemble abzubauen und das öffentlich geförderte Haus in eine private Wirtschaftsform zu überführen, stellte er allen Mitwirkenden der Produktion, die ihre Arbeit wiederaufzunehmen bereit waren, eine dreifache (!) Extragage in Aussicht. Und siehe da: Nach 80 Jahren fanden Meyerbeers «Les Huguenots» – in kaum gekürzter Fassung und in der Originalsprache – den Weg auf die Bühne des Erkel Theaters, dessen gute Akustik für große französische Oper weit mehr geeignet ist als das gerade vor der Renovierung stehende Prunkgebäude an der Andrássy Straße.
Kulturpolitisch erschien die Wahl dieses «die Schranken der Nationalvorurteile zerschlagenden» Werks (Richard Wagner) in einem ...
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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Máté Mesterházi
Der Seufzer ist bekannt: Mit seiner Oper habe er sich die «Märtyrerkrone» erworben, klagte Beethoven. Das Projekt führte zuerst zu einem Misserfolg und zuletzt, knapp zehn Jahre später, zu einer Fassung, die sich bemüht, «Leonore» angesichts veränderter gesellschaftlicher, politischer und letztlich mentaler Voraussetzungen neu zu denken – und als «Fidelio» auch neu...
JUBILARE
Der russische Bass Jewgenij J. Nesterenko kam in Moskau zur Welt und absolvierte seine Gesangsausbildung bei Vasily Lukanin in Leningrad, wo er 1963 an der Maly-Oper als Gremin in Tschaikowskys «Eugen Onegin» debütierte. Mit dem Gewinn des internationalen Tschaikowsky-Wettbewerbs 1970 begann seine langjährige Karriere. Der Sänger wurde ein Jahr später ans...
Für den gebildeten Musikliebhaber stellt sich die Entwicklung des deutschen Kunstlieds im 19. Jahrhundert von Schubert über Schumann, Mendelssohn Bartholdy, Brahms bis hin zu Wolf, Strauss und Pfitzner als ein Kontinuum dar. Doch Graham Johnson klärt im Booklet seines Recitals mit Liedern von Robert Franz darüber auf, dass nach Schuberts Tod (1828) ein Vakuum...
