Alte Zeiten: Gabriella Létay Kiss (Valentine) und Gergely Boncsér (Raoul); Foto: Hungarian State Opera/Valter Berecz
Erbarmungslos
Es sollte ein Festakt zum 500-Jahre-Jubiläum der Reformation in Budapest werden. Es wurde eine (von den um einen Kollektivvertrag streikenden Hausgewerkschaften um ein Haar verhinderte) Premiere der Ungarischen Staatsoper. Dass der Vorhang überhaupt hochging, verdankt sich allein Szilveszter Ókovács, dessen Direktorenvertrag soeben um fünf Jahre verlängert wurde.
Er wandte die Zuckerbrot-und-Peitsche-Taktik seines Vorbildes und Förderers, Ministerpräsident Viktor Orbán, an: Im gleichen Atemzug mit der Drohung, das Ensemble abzubauen und das öffentlich geförderte Haus in eine private Wirtschaftsform zu überführen, stellte er allen Mitwirkenden der Produktion, die ihre Arbeit wiederaufzunehmen bereit waren, eine dreifache (!) Extragage in Aussicht. Und siehe da: Nach 80 Jahren fanden Meyerbeers «Les Huguenots» – in kaum gekürzter Fassung und in der Originalsprache – den Weg auf die Bühne des Erkel Theaters, dessen gute Akustik für große französische Oper weit mehr geeignet ist als das gerade vor der Renovierung stehende Prunkgebäude an der Andrássy Straße.
Kulturpolitisch erschien die Wahl dieses «die Schranken der Nationalvorurteile zerschlagenden» Werks (Richard Wagner) in einem ...
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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Máté Mesterházi
Vor dem Teatro Massimo steht eine mit großen Bildschirmen ausgestattete Bühne. Wird Salvatore Sciarrinos «Superflumina» (2011) etwa live nach draußen übertragen? Das wäre doch mal etwas, der gewaltige Einsatz würde sich vielleicht sogar lohnen. Ein groß besetztes Orchester braucht man für das Stück, einen starken Chor, jede Menge Probenzeit – und diesem Aufwand...
Frau Jaho, 2017 bestand für Sie fast nur aus Butterflys und Violettas. Wie das?
Ich habe das etwas spät realisiert. Die Verträge wurden nach und nach unterschrieben, und irgendwann war dieser Terminplan komplett. Mancher mag kritisieren: Über 30-mal hat sie schon Cio-Cio-San gesungen, das ist doch verrückt.» Mir ist klar, dass ich ein lyrischer Sopran bin. Aber die...
Es scheint zu passen, dass hinter IMG Artists, der heute wohl wichtigsten Sängeragentur der Welt, der Name Mark McCormack steht – des Gründers jener «International Management Group», die sich zu allererst als «Global Leader in Sports» verkauft. Denn auch Operngesang hat oft etwas von Athletik, wird doch ein hoher und lauter Ton nicht selten wie ein Rekord im...
