Liebe im All: Atalla Ayan (Rodolfo) und Sonya Yoncheva (Mimì); Foto: Bernd Uhlig
Lost in Space
Eine neue «Bohème», kurz vor Weihnachten in Paris, mag man an der Opéra national gedacht haben, das passt wie der Weihnachtsbaum auf die Place de la Concorde. Spielen doch mindestens die beiden ersten Akte des Stücks just am Heiligen Abend in der französischen Hauptstadt. Doch sollte man in der Intendanz darauf spekuliert haben, dann hätte man die Rechnung zumindest ohne den Regisseur gemacht, wie eine von ständigen Zwischenrufen unterbrochene, in einem heftigen Buhsturm endende Premiere in der Opéra Bastille zeigte.
Dabei hatte es Claus Guth hübsch rieseln lassen zu Beginn des dritten Bildes, also dort, wo es in vielen Inszenierungen schneit. Freilich nicht an der Zollschranke von Paris, sondern deutlich weiter im outer space: auf dem Planeten nämlich, an dem das Raumschiff endgültig zerschellt ist, in dem Rodolfo und seine Freunde als Astronauten tätig waren. Nur noch Bruchstücke liegen herum in der Schneelandschaft vor dem dunklen Weltenraum, während in den ersten beiden Bildern das Bühnenbild von Étienne Pluss noch den Blick in den Innenraum des Gefährts geboten hatte. Zu tun ist nicht mehr viel, nachdem man jeden Kontakt zur Erde verloren hat. Weshalb Rodolfo nicht nur am ...
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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Michael Stallknecht
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