Entdecker und Schrittmacher
Niemals stand der Amerikaner Alan Curtis im Verdacht, der temperamentvollste, unberechenbar genialischste Überflieger der Alten Musik zu sein. Er wirkte besonnen, dienstfertig und defensiv. Führt man sich die enorme Zahl seiner Ersteinspielungen von Barockopern vor Augen, die eine Entstehungszeit von knapp einem halben Jahrhundert umspannen, so steht man betroffen vor der Tatsache, dass Curtis ein geheimer Schrittmacher, ein hochaktives Epizentrum der historischen Aufführungspraxis war.
In Gestalt unbekannterer Vivaldi- und Händel-Opern («Arminio», «Admeto», «Ezio», «Tolomeo», «Lotario», «Floridante», «Fernando», «Rodrigo», «Deidamia» und «Giove in Argo») legte er Gesamtaufnahmen randständiger (Meister-)Werke vor, die bleiben werden, da Curtis die vielleicht letzten Gelegenheiten ergriff, solch teure Produktionen in überragenden Besetzungen zu realisieren.
Curtis war der vielleicht sängerkundigste Vertreter seiner Zunft. Joyce DiDonato erhob er in gleich drei Händel-Gesamtaufnahmen zum Star: «Alcina», «Ariodante» und «Radamisto». Ob für Marijana Mijanovic (in «Rodelinda»), Marie-Nicole Lemieux («Giulio Cesare») oder Vesselina Kasarova: Curtis hielt zu seinen Entdeckungen, bewies ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 95
von Kai Luehrs-Kaiser
Impressum
56. Jahrgang, Nr 9/10
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752282
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 14.08.2015
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S....
Vielseitigkeit oder Risikofreude sind auf dem gegenwärtigen Sängermarkt selten zu finden. Intendanten und Besetzungsbüros können sich immer weniger Experimente leisten. Das heißt: Wer gut ist in einer Rolle, wird immer wieder für diese Rolle engagiert. Für die Spielpläne mag das ein Sicherheitsfaktor sein, für die Stimmen bedeutet es eine Gefahr. Denn die...
Alles fließt, alles strömt dahin. Die Geschichte, die Bilder, die Inszenierung. Tom Cairns hat nach rund einem Vierteljahrhundert im vergangenen Sommer die erste neue «Traviata» für das Glyndebourne Festival inszeniert (siehe OW 9/2014). Doch leider fehlt der Produktion jeder Fokus: auf Gesellschaftskritik, auf die Welt des Geldes und Scheins, auf die privaten...
