Engels Gesang
Seien wir ehrlich: Dies Werk zu (be-) greifen, ist schlichtweg ein Akt des Unmöglichen. Zu mäandernd fließt der Strom der Gedanken, zu üppig gestaltet sich die Ausschweifung des Geistes, und vor allem: Zu (entstehungs)zeitimmanent ist vieles, um es heute noch ins rechte Licht der Erkenntnis rücken zu können. Selbst ausgewiesene Kenner der Materie raten deshalb zu sinnlich-beglückter Anschauung, die das Einzelne nicht immer bis in seine feinsten Verästelungen zu verfolgen anstrebt. Das Werk, samt seiner Schönheit und Ideenmächtigkeit, bleibt davon unangetastet.
Dantes «La divina commedia», mit einer Entstehungsdauer von rund dreißig Jahren selbst Wagners «Ring» um einiges überschreitend, steht vor uns als eine große (humanistische) Vision – in Gestalt einer Wanderung durch die drei Jenseitsreiche, welche mit der erheblichen Verwirrung des Protagonisten beginnt und im Paradies mit einem der schönsten Verse dieser Epopoe überhaupt endet («Doch folgte schon mein Wunsch und Wille gerne (...), der Liebe, die bewegt die Sonn’ und Sterne»).
An diesem Punkt, da, wo Dante auf Anschaulichkeit verzichtet, wo er sich auf die Mittel der Farbe, des Lichts, der Rede und des Klanges beschränkt ...
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Schon mit dem Bühnenerstling «Adolf Wölfi» steuerte Georg Friedrich Haas 1981 auf das Spannungsfeld von Genie und Wahn zu. Auch «Nacht», die zweite Kammeroper des 1953 in Graz geborenen Komponisten, befasste sich in den neunziger Jahren anhand von Textfragmenten Hölderlins mit dem Thema «Umnachtung». Nach einem Exkurs zu Poe und Kafka, deren Texte gleichfalls eher...
Die ganze Welt ist grau. Wie eine unüberwindbare, gleichwohl atmende Wand erstrecken sich die Plastikbahnen zur Rechten und zur Linken der Bühne, die Paul Zoller ersonnen; straff gespannt und anthrazit schimmernd auf der Rückseite. Nimmt man nun noch die an der Decke befestigten Neonröhren hinzu, ergibt sich das Bild eines kühl-kargen, unbewohnten Ortes. Es ist...
Paolo Carignanis letzte Premiere nach neun Jahren als GMD der Frankfurter Oper stand unter keinem guten Stern. Vor der «Fidelio»-Premiere hatte sich der Dirigent nicht nur von der ihm angeblich aufgezwungenen Produktion distanziert – offenbar wäre ihm eine Verdi-Oper zum Abschied lieber gewesen. Obendrein stellte er mit drastischen Worten öffentlich klar, dass das...
