Abschiedsstück
Paolo Carignanis letzte Premiere nach neun Jahren als GMD der Frankfurter Oper stand unter keinem guten Stern. Vor der «Fidelio»-Premiere hatte sich der Dirigent nicht nur von der ihm angeblich aufgezwungenen Produktion distanziert – offenbar wäre ihm eine Verdi-Oper zum Abschied lieber gewesen. Obendrein stellte er mit drastischen Worten öffentlich klar, dass das Verhältnis zu Intendant Bernd Loebe zerrüttet sei. Hinzu kam, dass die für «Fidelio» vorgesehene Regisseurin Christina Paulhofer aus Krankheitsgründen ihre erste Opernarbeit noch vor Probenbeginn abgeben musste.
So geschah es, dass der Bühnenbildner Alex Harb mit der szenischen Realisierung des Konzeptes betraut wurde – eine Aufgabe, die ihn schlicht überforderte.
Dagegen besitzt Harbs karger, gelb leuchtender, auch zur Decke hin geschlossener Raum durchaus Entschiedenheit. Zwei Stühle, eine Metallbank in der Mitte – das ist alles. Auf der Bank kauert ein Mann mit Kapuze und Kopfhörern, in sich verkapselt brütet er vor sich hin: Es ist Florestan. Den ganzen Abend über ändert sich dieser Klaustrophie erzeugende Raum kaum, nur die Intensität des Lichts variiert. Harb freilich scheitert an der Aufgabe, das Gefangensein jedes ...
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Kristina Wuss, Berghaus- und Konwitschny-Schülerin, hat Oscar Wildes einstiges Skandaldrama gegen den Strich gelesen. Sie entziffert in Strauss’ Vertonung der Begegnung der morbiden Kindfrau mit dem asketischen Propheten zu Recht eine psychologische Introspektion. Bei ihr ist Salome keine wahnsinnige Mänade, sondern ein junges Mädchen, das in einer aus den Fugen...
Für einmal macht Triquet keine graziösen Faxen, sondern stürmt und drängt, führt quasi die Leiden des jungen Werther vor. Am Schluss seiner Couplets schenkt er Tatjana, die er offenbar tief verehrt, eine dunkle Blume – jene Blume des Abschieds vielleicht, von der Rilke sagt, sie blühe irgendwo und streue «immerfort Blütenstaub, den wir atmen, herüber; auch noch im...
