Endspiel
Selbstverständlich gibt es auch in dieser «Aida» eine Pyramide. Nur glüht nicht der güldene Sandstein. Es dominiert bühnenhohes Schwarzgrau. Ein Ascheberg, Ergebnis des Dauerrieselns durch die Löcher einer zerschossenen Decke. Ein monumentales Bild, das von Regisseur Damiano Michieletto bewusst nicht mit Action gefüllt wird. Hier herrscht Leere, Ausweglosigkeit, eine stille Verzweiflung aller Beteiligten, die einer ungewissen Zukunft entgegenbrüten, während draußen ein heutiger, nicht näher definierter Krieg das Land zermürbt und diese riesige Turnhalle fast zerstört hat.
Es ist die letzte Zuflucht für Ägyptens Volk: Das ist nicht mehr Verdi, eher Beckett.
Mit ihrer Anti-Klischee-Arbeit für die Bayerische Staatsoper bewegen sich Michieletto, Bühnenbildner Paolo Fantin und Carla Teti, die Alltagsklamotten und Uniformgrau beigesteuert hat, ganz im Common Sense für «Aida». Dieser Krieg, so suggerieren die Bilder, kennt keine Gewinner. Das Problem: Die Message teilt sich sehr schnell mit, der Abend kreist irgendwann um sich selbst – zumal Michieletto sein Konzept an Nebenfiguren, vor allem an Statisterie und Chor delegiert. Was die Katastrophe tatsächlich mit den Hauptfiguren macht ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Markus Thiel
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Ich weine nicht viel in der Oper, das ist abhängig vom Stück und von den Sängern. Wenn sie mit wahren Emotionen und aus ihrer tiefsten Seele singen, kann ich weinen.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
Auf jeden Fall in Südafrika, in meiner Heimatstadt Kroonstad oder Bloemfontein, weil es die Hauptstadt unserer Region ist.
Vergessen kann fatal sein. Wagners Siegfried etwa kostet vom Vergessenstrunk, den ihm Gutrune reicht – damit nimmt die Katastrophe in der «Götterdämmerung» unaufhaltsam ihren Lauf. Erst im Todeskampf wird er sich wieder erinnern, zu spät. Die spannende Frage, wohin ein Gedanke geht, wenn etwas vergessen wird – sie scheint nur Sigmund Freud interessiert zu haben....
Seit 70 Jahren verwandelt sich das beschauliche Bergen für zwei Wochen in einen brodelnden Schmelztiegel aus Kunst, Kultur, Musik, Theater und Tanz. Bei der Jubiläumsausgabe des Bergen International Festival stand jetzt die Sopranistin Lise Davidsen im Mittelpunkt: mit ihrem Rollendebüt als Tosca und als Artist in Residence.
Für eine konzertante Opernaufführung ist...
