Endspiel
Selbstverständlich gibt es auch in dieser «Aida» eine Pyramide. Nur glüht nicht der güldene Sandstein. Es dominiert bühnenhohes Schwarzgrau. Ein Ascheberg, Ergebnis des Dauerrieselns durch die Löcher einer zerschossenen Decke. Ein monumentales Bild, das von Regisseur Damiano Michieletto bewusst nicht mit Action gefüllt wird. Hier herrscht Leere, Ausweglosigkeit, eine stille Verzweiflung aller Beteiligten, die einer ungewissen Zukunft entgegenbrüten, während draußen ein heutiger, nicht näher definierter Krieg das Land zermürbt und diese riesige Turnhalle fast zerstört hat.
Es ist die letzte Zuflucht für Ägyptens Volk: Das ist nicht mehr Verdi, eher Beckett.
Mit ihrer Anti-Klischee-Arbeit für die Bayerische Staatsoper bewegen sich Michieletto, Bühnenbildner Paolo Fantin und Carla Teti, die Alltagsklamotten und Uniformgrau beigesteuert hat, ganz im Common Sense für «Aida». Dieser Krieg, so suggerieren die Bilder, kennt keine Gewinner. Das Problem: Die Message teilt sich sehr schnell mit, der Abend kreist irgendwann um sich selbst – zumal Michieletto sein Konzept an Nebenfiguren, vor allem an Statisterie und Chor delegiert. Was die Katastrophe tatsächlich mit den Hauptfiguren macht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Markus Thiel
Welch süße Freude, Göttin / entzündest du in unserer Brust. / Konnte der gütige Himmel mehr für uns tun? / Welch süße Freude, Göttin!» Einander nachsingend, dann gleichzeitig ihre Stimmen ineinanderschlingend danken die jungen Liebenden Hyllo und Iole am Schluss von Antonia Bembos «L’Ercole Amante» der Göttin Giunone für das gute Ende einer ungut begonnenen...
Vor vielen Monaten fand eine italienische Musikwissenschaftlerin eine noch unbekannte Oper von Gaetano Donizetti: «Dalinda» – in den ersten zwei Akten quasi deckungsgleich mit Donizettis «Lucrezia Borgia» (1833). Der Rest bis dato: verloren, ungehört. Die verspätete Uraufführung der «Dalinda» Mitte Mai im Konzerthaus Berlin: eine Sensation.
Statt mit der (per...
JUBILARE
Am 15. Juli 1943 kam in der kleinen italienischen Gemeinde Pretoro (Provinz Chieti) Maria Pellegrini zur Welt. 1958 emigrierte ihre Familie nach Kanada. In Toronto und London studierte Pellegrini Gesang und feierte 1963 an der Canadian Opera Company ihr Bühnendebüt. In den folgenden Jahren sang sie am dem Haus in Toronto unter anderem die Annina in...
