Die Wohlgesinnten
Die Begriffe «König» oder «Kaiser» lösen verschiedene Emotionen aus. Während die einen – durchaus mit Sympathie – beispielsweise an die britische Königsfamilie denken, verbinden vor allem die Menschen im (Nahen) Osten diese Worte mit Angst und Unterdrückung. Sie denken an skrupellose Machthaber, die ihr Volk tyrannisieren.
Mozart sah in «seinem» Kaiser Titus (in der italienischsprachigen Oper heißt er «Tito») eine Quelle der Liebe und Toleranz – und träumte von einem milden, gnädigen Herrscher, den wir in der heutigen Welt (2000 Jahre nach Titus) nur zu gut brauchen könnten.
Die Handlung liest sich wie eine Seifenoper: Schon kurz nach seiner Thronübernahme findet Titus sich inmitten von Verrat und Intrigen wieder. Vitellia hofft auf die Heirat mit dem neuen Throninhaber. Da dieser sie zurückweist, setzt sie ihren Geliebten und seinen Freund Sesto auf Titus an, um diesen zu Fall zu bringen. Als Titus sich trennt, lässt auch Vitellia ihre Mordpläne wieder fallen. Trotzdem weist er sie abermals zurück, er möchte Sestos Schwester zur Frau nehmen. Vitellia drängt Sesto erneut, einen Aufstand anzuzetteln. Mit Erfolg. Zwischenzeitlich entscheidet sich der Kaiser für Vitellia, die Sesto ...
Cezar Harb wurde in Syrien geboren, ist 24 Jahre alt und Studierender des Studiengangs «Kunst, Musik und Medien» an der Universität Marburg (dort haben wir ihn auch kennen gelernt). «Trotz» seines syrischen Hintergrunde spielt klassische Musik, insbesondere Musiktheater, in Cezars Leben eine große Rolle, denn seine geliebte Tante Ghada ist die mit Abstand bekannteste Königin der Nacht Syriens. Im Alter von 14 Jahren hörte er sie zum ersten Mal im Opernhaus Damaskus. Seit Januar 2023 berichtet Harb in unregelmäßigen Abständen über Opern-Inszenierungen in Frankfurt, Wiesbaden, Kassel und Gießen. Dabei ist er völlig frei, auch über aus seiner kulturellen Sicht Verstörendes über «unser» Regietheater zu schreiben.
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Cezar Harb
Nach einem launigen Versicherungsvertreter klingt der Name – oder nach Sparkasse, ein bisschen auch nach Max Mustermann. Doch Hermann Ludwig Müller ist ein garstiger Zeitgenosse. Mischt sich ständig ein in die Handlung, bedrängt die Figuren, zitiert Deutsches aus allen Literaturgewichtsklassen, zündelt, ist zynisch. Einmal schreit Müller in der virtuosen...
Der Mann ist ein Mirakel. Wo immer er auftaucht, liegen ihm die Herzen der Damen augenblicklich zu Füßen. Auch hier, am Rande der Straße, von der Don Giovanni, begleitet von Leporello, vermutlich kurz zuvor abgekommen ist mit seinem schicken Sportwagen, der nun, mächtig zerbeult, an der Grenze eines gemähten Kornfelds neben dem einzigen Baum steht, der weit und...
Möglicherweise lassen sie jetzt T-Shirts drucken. «We made it!» könnte darauf stehen oder Ähnliches. Wagners «Ring» als niederbayerische Erstaufführung an den Landestheater-Spielstätten Landshut, Passau und Straubing, das ist die Everest-Bezwingung mit Flipflops und ohne Sauerstoffgerät. Doch das Team um den regieführenden Intendanten Stefan Tilch hat es in einem...
