Klarer Fall
Der Mann hat besondere Vorlieben: «Senior Queens», Damen der reiferen Kategorie – und Geld genug, sich Mitwisser leisten zu können: Hat er eine bei einschlägigen Internetdiensten gefunden, dann lässt er sie von einem Gehilfen quer durch die Großstadt fahren, lackiert ihr daheim unter Klarsichtfolie die Fingernägel und sperrt sie anschließend in die siebte Kammer seines großzügigen Hauses. Bis ihm eines Tages die Ermittlerin (Nina Stemme) auf die Schliche kommt und ins Auto steigt, wie im Münchner Nationaltheater in einem knapp dreiviertelstündigen Film zu sehen ist.
Dazu spielt unten im Graben das Bayerische Staatsorchester, das unter seinem Generalmusikdirektor Kirill Petrenko auch ein feines, mit vielen brillanten Solisten durchsetztes Sinfonieorchester geworden ist, Béla Bartóks «Konzert für Orchester» als kühle Großstadtsinfonie. Die Dirigentin Oksana Lyniv, einst Petrenkos Assistentin am Haus, betont die rhythmischen Konturen und verzichtet auf alles Sentiment, das Bartók, 1943 im amerikanischen Exil unter dem Verlust von Heimat und Gesundheit leidend, eher subkutan preisgibt.
Gut 30 Jahre zuvor hatte der Komponist, der auch als Mensch eher verschlossen gewirkt haben soll, ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Michael Stallknecht
Peter Eötvös greift für seine Opernstoffe gern ins oberste Regal. Unter einem «Welttheater» tut der ungarische Komponist es kaum. Und wenn er dieses – wie in seinem Stück «Der Goldene Drache» – in einen heutigen Asia-Imbiss verlegt und das Geschehen mit kammermusikalischer Delikatesse unterlegt, geht der Plan, das große Ganze im Kleinen abzubilden, auch wunderbar...
Irgendwann an diesem Abend durchfliegt einen der Gedanke an Beethovens «Eroica». Und die Frage, wie viele Musiker wirklich nötig sind, um dieses symphonische Schlüsselwerk angemessen zu interpretieren. Während heute bis zu 80 Musiker auf dem Konzertpodium sitzen, waren es bei der Uraufführung der Symphonie anno 1803 im Palais des Fürsten Lobkowitz gerade einmal...
Der Mensch macht Ordnung, schon im Kindesalter ‒ das ist dem Berliner Videokünstler Konrad Kästner aufgegangen, als er seinem Sohn beim Spielen mit Bauklötzen zusah. Was aber macht die Ordnung mit dem Menschen? Das wollte Kästner spielerisch-szenisch herausfinden und erfand zusammen mit dem Musiker Marc Sinan und der Ausstatterin Eylien König ein Setting, das dem...
