Endlich wieder fliegen
Zwölf Opern hat Charles Gounod geschrieben, dauerhafte Fortüne aber war nur «Faust», «Roméo et Juliette» sowie «Mireille» beschieden, jenen drei Werken also, in denen der Komponist die strikte Genre-Trennung des französischen Musiktheaters überwand zugunsten einer freieren, Lyrisches und Dramatisches mischenden Form. Seine Grand Opéras fielen schon bei ihren Premieren durch, aber auch die Beiträge zur Opéra Comique gerieten bald in Vergessenheit.
Nach der Molière-Vertonung des «Médecin malgré lui» 1858 brachte Gounod 1860 zwei weitere heitere Werke heraus, «Philémon et Baucis» in Paris sowie «La Colombe», als Auftragskomposition für Baden-Baden, dem damals mondänsten aller Kurorte. Der nach einer La Fontaine-Fabel konzipierte Zweiakter ist ein bezauberndes Stück unterhaltenden Musiktheaters, wie Mark Elder nun in einer rundrum gelungenen Einspielung mit seinem Hallé Orchestra beweist. Die Ausgrabung des Labels Opera rara fördert ein fein gearbeitetes Divertissement zutage, das Gounod ebenso als Melodiker von schier unerschöpflicher Fantasie zeigt wie als Meister der Orchestration. Äußerst geschmackssicher ist diese Partitur gearbeitet, in einem sanft ins Romantische gewendeten ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: CD des Monats, Seite 23
von Frederik Hanssen
Es gab eine Zeit, da schlug kein Star am Wagner-Himmel eine Gelegenheit zum Auftritt in Buenos Aires aus. Lotte Lehmann, Lauritz Melchior, Birgit Nilsson oder Wolfgang Windgassen – sie alle gastierten am Río de la Plata. Heute scheint das kaum mehr vorstellbar. Auch wenn sich das Teatro Colón inzwischen wie die Gralsgemeinschaft im «Parsifal» zu erneuern sucht –...
Die schwebende Kantilene des Vorspiels, mit der Verdi Liebe und Tod der Violetta auf den Plan ruft, lässt Daniel Barenboim von den vierfach geteilten Streichern fein schattiert auftragen. Und er fügt den Phrasen eine Emphase des Seelischen hinzu: So nachdrücklich im An- und Abschwellen der Töne hört man das Preludio selten. Auf der Bühne begibt sich währenddessen...
In Chicago bekommt man nicht übertrieben häufig neue Stücke vorgesetzt, ganz zu schweigen von solchen, die tatsächlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen (wie etwa 1992 William Bolcoms «McTeague», definitiv ein repertoiretaugliches Werk). Entsprechend große Beachtung fand deshalb der erste Opernversuch des aus Peru stammenden Komponisten Jimmy López (*1978),...
