Den Balsam nun versuch ich noch
Es gab eine Zeit, da schlug kein Star am Wagner-Himmel eine Gelegenheit zum Auftritt in Buenos Aires aus. Lotte Lehmann, Lauritz Melchior, Birgit Nilsson oder Wolfgang Windgassen – sie alle gastierten am Río de la Plata. Heute scheint das kaum mehr vorstellbar. Auch wenn sich das Teatro Colón inzwischen wie die Gralsgemeinschaft im «Parsifal» zu erneuern sucht – noch kränkelt Wagner hier wie Amfortas.
Ursprünglich hätte Richards Urenkelin Katharina das «Bühnenweihfestspiel» inszenieren sollen. Doch daraus wurde nichts.
2012 hatte sie die Regie des stark gekürzten «Colón-Rings» kurzfristig abgesagt (siehe OW Jahrbuch 2012) – Anfang 2015 entband der frischgebackene Intendant Darío Lopérfido sie unsanft von ihren «Parsifal»-Pflichten. Nach langem Hin und Her engagierte er stattdessen zwei einheimische Künstler für die Produktion, den Regisseur Marcelo Lombardero und den Dirigenten Alejo Pérez. Lombardero, ein ehemaliger Bariton, genießt in Argentinien durchaus Respekt, hat aber am Teatro Colón seit einem Zwischenspiel als Künstlerischer Direktor (2005-2007) nicht mehr inszeniert. Ein gescheitertes «Ring»-Projekt am Teatro Argentino de la Plata (über «Das Rheingold» kam man nie hinaus) ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Rodrigo Cherut
Im Barocktheater war alles ganz einfach: Man spielte in festen Bühnenbildern, mehrfach gestaffelten Prospekten aus Holz. Veränderte Schauplätze wurden durch Umgruppierungen dieser Elemente erzielt, zudem garantierte der «arco scenico», also die gebogene Struktur über dem Bühnenportal, als «natürlicher» Reflektor gute akustische Verhältnisse für das, was auf den...
Es war ein Sängerfest, als sich 2011 fünf Countertenöre – Philippe Jaroussky, Max Emanuel Cencic, Franco Fagioli, Valer Sabadus und Yuriy Mynenko – erst im Aufnahmestudio, dann auf der Bühne und schließlich für eine Tournee zusammenfanden, um Leonardo Vincis letzte, 1730 in Rom uraufgeführte Oper «Artaserse» nach über zweihundertjährigem Archivschlaf...
Hatte sie schon etwas geahnt? Die Gegenwart des Todes gespürt? Als Stella Doufexis im Mai 2011 Hector Berlioz’ sonnenbronzene Orchesterlieder «Les nuits d’été» aufnahm, stand sie mitten im Leben. Doch aus dem ranken Körper strömten Töne von so tief empfundener, herbsüßer Melancholie, dass einem beim Wiederhören Tränen in die Augen schießen. Jetzt, nachdem sie gehen...
