Endlich Licht im Dunkel

Eine wahre Fundgrube: Lion Gallussers Studie «Die Tragédie en musique zwischen Lully und Rameau»

Opernwelt - Logo

Bis vor Kurzem war die wechselvolle Geschichte der französischen Tragédie en musique zwischen dem Tod ihres Schöpfers Jean-Baptiste Lully 1687 und ihrer Erneuerung durch Jean-Philippe Rameau mit seiner ersten, 1733 uraufgeführten Oper «Hippolyte et Aricie» ein schwarzes Loch. Jean-Jacques Rousseaus polemische Bemerkung, es handle sich dabei um «minderwertige Musik», haben die vielen aus Frankreich kommenden CD- und Video-Veröffentlichungen längst widerlegt.

Licht in das Dunkel dieser Form, die anderen ästhetischen Prinzipien folgt als die damals ganz Europa beherrschende italienische Opera seria und darum für viele noch immer ein Buch mit sieben Siegeln ist, bringt jetzt Lion Gallusser. Die Tragédie en musique, die Lully und sein Librettist Philippe Quinault als Gegenstück zur antiken Tragödie erfanden, war als machtpolitisches Instrument zur Verherrlichung von Louis XIV intendiert, dem in jedem Prolog gehuldigt wurde. Zugleich besaß Lully als Leiter der Académie royale de musique das alleinige Kompositionsprivileg. Sein Tod musste die Institution wie die Gattung in eine Krise stürzen, zumal gleichzeitig das Interesse des Königs an der Oper erlahmte.

Hier setzt Gallussers ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Der amerikanische (Alb)traum

Die Uraufführung von «X: The Life and Times of Malcolm X» an der New York City Opera 1986 traf im Konservatismus der Ära Reagan sowie der daraus resultierenden Re-Ikonisierung des US-amerikanischen Bürgerrechtlers genau den Zeitgeist. Dennoch wurde das Stück anschließend kaum gespielt. Nach dem (CD- und) Bühnen-Revival durch das Boston Modern Opera Project 2022 war...

Die Sendung mit der Maus

Manchmal wäre es besser, kein Radio zu haben. Das wird sich auch Doktor Pietro Bartolo denken, der wuselige Chef eines Genlabors, das munter mit Mäusen hantiert, verbreitet doch das altehrwürdige Gerät mitten in seine emsige Tätigkeit hinein detestable Nachrichten. Des Doktors hehre Hoffnung, für seine (illlegalen?) Forschungen den Nobelpreis zu erhalten,...

Dunkel getönt

Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich etablierte Filmregisseure an der Gattung Oper messen – häufig allerdings mit wenig Fortune. Den jüngsten Versuch unternahm Cédric Klapisch, ein Regisseur und Drehbuchautor, der mit Komödien wie dem Zweiteiler «L’auberge espagnole» internationale Erfolge erzielt hatte. Am Théâtre des Champs-Elysées in Paris inszenierte er Mozarts...