Empfundene, Erlittenes, Erträumtes
Zweimal wird die Schiebetür im Hintergrund geöffnet. Die Aussicht: ganz famos. Ein Wald-Wiesen-Idyll – nur dass ein Absperrklebeband das Panorama teilt und Stacheldraht die Aussicht stört. Davor steht ein riesiger Metallstuhl. Der kann beklettert und umgekippt werden, ist Thron, Zimmerecke oder auch mal eine Art Gefängnis. Ganz reduzierte szenische Zeichen sind das, mehr ginge auch nicht im kleinen Theater am Haidplatz.
Und sie sind sehr angemessen für die Vorlage, die hier zu einer Oper wurde: Reiner Kunzes Buch «Die wunderbaren Jahre» versammelt Schlaglichter des ostdeutschen Sozialismus: Erzählungen, Berichte, Selbsterlebtes vor allem aus Kinder- und Jugendjahren, knapp und lakonisch aufgeschrieben, Absurditäten des Alltags (die Nickelbrille als «imperialistischer Modeeinfluss») bis hin zum Schießbefehl und zur Erhängung mit der eigenen Unterhose im Gefängnis. Ein Destillat der DDR, kommentarlos – und vielleicht deshalb umso gefährlicher für die Führung, die Mitte der 1970er-Jahre eine Revolutionsschrift witterte.
Torsten Rasch, 1965 in Dresden geboren, Kruzianer, auch Filmmusiker, seit 2008 zudem Opernkomponist («Rotter»), dürfte seine eigenen Erfahrungen mit der Welt hinter ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Markus Thiel
Wie es im Maschinenraum der Welt tickt? E. T. A. Hoffmann hatte davon mehr als nur eine leise Ahnung, der reisende Enthusiast war bewandert in der Kunst des Unbewussten, Unterbewussten. Und er fühlte sich pudelwohl in jenen nietzscheanisch verschleierten Sphären, in denen alles, was der Fall ist, «tiefer als der Tag gedacht» wurde, und wo alle Lust Ewigkeit...
Grimmig sieht er aus, der Licht- und Feuerbringer, von Schatten umgeben, verdüstert irgendwie. Doch liest man die Verse, die der Geheimrat Goethe seinem «Prometheus» in die Seele streute, muss man sich nicht wundern. Da fürchtet jemand um den Bestand der Erde, und weil er ein aufrichtiger Geist ist, gibt der an den Kaukasus geschmiedete Menschenfreund dem obersten...
Ach ja, die Liebe. Schwierige Angelegenheit. Wer mit ihr in Berührung kommt, begibt sich unweigerlich in große Gefahr (und kommt nicht selten darin um), wer ihr ausweicht, hat etwas Wesentliches im Leben außer Acht gelassen. Das wissen wohl auch Margarita und die Mädchen, wenn sie zu Beginn des zweiten Akts von Louise Bertins «Fausto» den Chor «Fuggite amor»...
